Ein Flieger von LaudaMotion mit dem Logo von Air Berlin auf dem Leitwerk
rbb/Lisa Splanemann
Bild: rbb/Lisa Splanemann

- Air Berlin-Pleite: Phantomschmerzen bei Fluggästen

Vor genau einem Jahr meldete die Berliner Fluglinie Air Berlin Insolvenz an. Ende Oktober stellte Air Berlin den Flugbetrieb ein. Ein Jahr später vermissen viele ehemalige Passagiere die Airline. Lisa Splanemann war am Flughafen Tegel unterwegs und hat die Passagiere befragt.

Auf einer haushohen Reklametafel wirbt Air Berlin für ihre Langstreckenflüge. Auf der Landebahn vom Flughafen Tegel rollt ein LaudaMotion-Flugzeug mit Air Berlin-Logo am Flughafengebäude lang.

"Ich vermisse auch die Schokoherzen"

Auch ein Jahr nach der Insolvenz ist die Berliner Airline am Flughafen präsent. In den Köpfen geblieben ist die Fluglinie auch bei den Fluggästen wie Jason. Er reist mit seiner Freundin vom Flughafen Tegel nach Spanien in den Sommerurlaub. Jason ist Berliner und vermisst die Fluglinie. Der Student findet, dass es keine echte Alternative zu Air Berlin gibt - am meisten vermisse er die Schokoherzen, die auf den Flügen immer an die Fluggäste ausgegeben wurden.

Immer noch einige Strecken unbesetzt

Vor genau einem Jahr - am 15. August 2017 - beantragte Air Berlin Insolvenz. Mehr als 8.000 Mitarbeiter waren davon betroffen. Ungefähr die Hälfte der 144 Air Berlin-Maschinen gehören jetzt der Lufthansa-Tochter Eurowings, 25 Maschinen hat Easyjet. Dagmar ist mit ihrer Familie in Tegel gelandet - sie haben einen Städtetrip nach Paris gemacht. Vor allem eins vermisst sie ohne Air Berlin: Es gab Strecken, die nonstop angeflogen wurden, wie beispielsweise Miami.

90 Prozent der Air Berlin-Flüge wurden inzwischen von anderen Fluggesellschaften übernommen. Unbesetzt sind allerdings noch immer einige Regionalstrecken und Langstrecken von Berlin - zum Beispiel nach Amerika.

Sehr emotionaler Abschied

Björn ist mit seinem Sohn und seiner Frau in Tegel, um Flugzeuge von der Dachterrasse aus zu beobachten. Drei bis vier Mal ist er mit Air Berlin geflogen und hat einen Flug mit der Airline drei Tage vor deren Insolvenz miterlebt. Schon in den Wochen davor war deutlich zu spüren, dass es für das Bord-Personal sehr schwer war, diese Traditionsmarke aufzugeben. Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal haben inzwischen einen neuen Job gefunden - auch wenn sich die Konditionen verschlechtert haben, auf andere Branchen umgeschult werden musste oder ein Ortswechsel nötig war.

Timo ist im Flughafen Tegel unterwegs, um Flugzeuge zu beobachten. Der 25-Jährige hat sich als Pilot beworben und hat den letzten Air Berlin-Flug von der überfüllten Besucher-Terasse genau beobachtet. Die Ankunft des Fliegers wurde heftig applaudiert. Rund 1.500 Besucher und Air Berlin-Beschäftigte standen am 23. Oktober 2017 auf der Flughafenterrasse in Tegel, um den Flug AB 6210 in Empfang zu nehmen. Verabschiedet hat sich Air Berlin ganz nach Firmenkonzept - indem die Maschine mit einer Schleife in Herz-Form über Berlin geflogen ist.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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