Alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind
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- Berlin, Hauptstadt der Alleinerziehenden

In Berlin leben so viele Alleinerziehende wie nirgendwo sonst im Land. In der Regel sind es die Mütter, die alleine erziehen. Und, auch das zeigen die Zahlen: Kinder von Alleinerziehenden sind häufiger von Armut bedroht als in anderen Familien. Was bedeutet das konkret? Franziska Ritter stellt eine Familie aus Berlin Hellersdorf vor.

Die Arche in der Tangermünder Straße in Hellersdorf: Über den Hof des ehemaligen Schulgeländes wuseln Dutzende Kinder und Jugendliche. Bis zu 200 sind es, die Tag für Tag in die Einrichtung kommen, um Mittag zu essen, Hausaufgaben zu machen, zu spielen. Die sechsjährige Lea vergnügt sich gerade auf dem Spielplatz. Was ihr an der Arche gefällt ist, dass sie sehr viel spielen und schaukeln kann.

Dankbar für die gemeinnützige Einrichtung

Das blonde Mädchen ist gemeinsam mit ihrer Mutter hier, Jessica Laue. Die alleinerziehende Berlinerin hat noch zwei Söhne, mit denen sie fast täglich in die Arche kommt. Sie ist dankbar dafür, dass es so eine gemeinnützige Einrichtung gibt, in die ihre Kinder nach der Schule zum Lernen und Spielen gehen können und auch - gratis - zu essen bekommen, denn das entlastet die Hartz-IV-Empfängerin enorm. Außerdem haben ihre Söhne eine Hausaufgaben-Betreuung, die sie so zuhause gar nicht leisten könne, sagt Laue.

Laue hat eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin gemacht, aus gesundheitlichen Gründen konnte sie nie in ihrem Beruf arbeiten. Sie hat vor ein paar Jahren eine Umschulung zur Industriekauffrau absolviert, doch eine Anstellung, mit der sie ihre Familie ernähren kann, ist bislang nicht in Sicht. Deshalb ist sie auf die kostenlosen Angebote der Arche und der Berliner Tafel angewiesen. Ihr knapp bemessenes Geld kann sie so für andere dringende Bedarfe der Kinder ausgeben

Auch Armut ist relativ

Ihre Kinder wissen, dass Mama ihnen nicht alle Wünsche erfüllen kann, sagt Jessica Laue. Sie würden sogar freiwillig auf Geschenke verzichten, um dafür einmal im Jahr mit der Familie in den Urlaub fahren zu können. Sieht sich die alleinerziehende Berlinerin selbst als arm? Sie findet, dass es die, die Vollzeit arbeiten und nur gering verdienen, am schlimmsten erwischt hat, weil die nicht in die Arche gehen können und auch nicht das Angebot der Berliner Tafel nutzen können. So gesehen findet Jessica Laue, dass es ihr gar nicht so beklagenswert geht.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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