Mineralwasser wird aus einer Flasche in ein Glas gegossen
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- Mikroplastik im Mineralwasser

Winzige Plastikpartikel und -fasern sind in unseren Lebensmitteln zu finden, vor allem in Meeresfrüchten, Fisch, Meersalz und Honig. Das haben Studien gezeigt. Nun hat eine Untersuchung das so genannte Mikroplastik auch in Mineralwasser aufgespürt. Ob eine Gefahr für die Gesundheit besteht, ist unklar. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert jedenfalls, die betroffenen Produkte beim Namen zu nennen. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky mit Einzelheiten.

Wissenschaftler der Universität Münster und des dortigen Chemischen Untersuchungsamts haben 38 Mineralwasser auf Verunreinigungen mit Mikroplastik geprüft. Sophie Unger von Foodwatch über das Ergebnis: "Getestet wurden Plastikflaschen, Einweg und Mehrweg, Glasflaschen und auch Getränkekartons, und in allen Proben wurden Mikroplastikpartikel gefunden."

Noch keine eindeutige Risikobewertung

Besonders viele Plastikpartikel fanden sich in Mehrweg-Plastikflaschen. Glasflaschen waren aber auch nicht frei von Mikroplastik. Wie es ins Wasser kommt, darüber können die Forscher nur spekulieren. Vermutlich wird es vom Material der Flaschen langsam abgerieben oder gelangt aus Plastikdeckeln oder Produktionsanlagen in das Wasser. Auch vom vielen Müll, der weltweit in Flüsse und Meere gespült wird, könnte das Plastik stammen. Kleidung könnte ebenso eine Quelle sein, sagt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz: "Der klassische Fleecepullover aber auch jede andere Textilie aus Kunstfasern kann in der Waschmaschine Fasern ablösen. Wir haben keine Filtersysteme in den Waschmaschinen bisher, die so was herausfiltern. Das wäre eine mögliche Lösung, um so was ein bisschen einzudämmen."

Ob Mikroplastik in Lebensmitteln gefährlich ist, ist unklar. Es gibt noch keine Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung oder der Europäischen Lebensmittelbehörde. Es gibt nicht einmal Daten darüber, wie viel Mikroplastik die Menschen aufnehmen. Laut Foodwatch gibt es aber Hinweise darauf, dass der Verzehr Entzündungen beim Menschen hervorrufen könnte. Rolf Buschmann vom BUND weist noch auf ein anderes Risiko hin: Mikroplastik verbindet sich gern mit anderen Schadstoffen: "An der Oberfläche dieser Kunststoffteilchen lagern sich Schadstoffe ab. Die werden dann von den Lebewesen wieder gefressen, reichern sich an, schädigen eventuell gleich das Lebewesen oder sie landen dann in konzentrierterer Form irgendwann vielleicht doch wieder auf unserem Teller."

Transparenz bei Mineralwasser besonders wichtig

Foodwatch fordert deshalb, dass alle Produkte beim Namen genannt werden, in denen Mikroplastik gefunden wird, auch das Wasser aus der Studie in NRW. Transparenz sei bei so einem Produkt besonders wichtig, so Sophie Unger: "Der Unterschied zu der Mineralwasserstudie ist, dass es bei Mineralwasser eben nicht ein Lebensmittel ist, was wir nur ab und zu mal in kleineren Mengen essen, sondern Mineralwasser trinken wir vielleicht sogar täglich in großen Mengen und gerade bei der Hitze momentan eben sehr oft."

Das zuständige Verbraucherschutzministerium in NRW lehnt die Namensnennung ab. Sie sei erst möglich, wenn die Studie, eine Doktorarbeit, abgeschlossen ist. Das werde im Frühjahr der Fall sein. Foodwatch entgegnet, dass ein Teil der Studie schon in einem Fachmagazin veröffentlicht worden sei, nur eben ohne die Produktnamen. Die Verbraucherorganisation hat deshalb eine Unterschriftenaktion für die Veröffentlichung gestartet.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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