Finanzplanung (Bild: imago/CHROMORANGE)
imago/CHROMORANGE
Bild: imago/CHROMORANGE

- Start-ups klagen über zu wenig Eigenkapital

Berlin brüstet sich mit dem Titel Start-up-Hauptstadt. Allerdings: In Deutschland gibt es zu wenig Risikokapital für junge Unternehmen. Wenn es um Millionensummen geht, müssen sie oft Geld im Ausland einsammeln. Das sei ein Ausverkauf, kritisiert der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, der eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben hat. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky mit Einzelheiten.

Immerhin gut eine Milliarde Euro investierten deutsche Beteiligungsgesellschaften, Pensionskassen, Versicherungen oder private Anleger im vergangenen Jahr in junge Unternehmen. Zum Vergleich: In den USA waren es 64 Milliarden Euro. Auch China investiert viel, vor allem staatliche Mittel, und ist inzwischen gleichauf mit den USA. Dabei hat Deutschland eigentlich ein großes Potenzial mit vielen Patenten und Doktoranden an den Universitäten. Noch gut versorgt sind Start-ups hierzulande bei der Gründung und dem Geschäftsstart. Hier gibt es viele staatliche Förderprogramme, freut sich Regina Hodits vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Ihr eigenes Unternehmen beteiligt sich an Firmen aus dem Gesundheitsbereich.

In der Wachstumsphase schwindet die Investition  

Schwierig wird es ihrer Ansicht nach allerdings in der dritten Phase, dem Wachstum. Hier brauchen Start-ups viel Geld, zum Beispiel für Marketing und Mitarbeiter. In den USA wird mehr als die Hälfte des Risikokapitals in dieser Phase investiert, in Deutschland weniger als ein Drittel. Als Folge fallen deutsche Start-ups hinter internationale Wettbewerber zurück. Um das zu vermeiden, besorgen sie sich Geld im Ausland. Oder werden dort ganz gekauft. Studienautor Klaus Fuest beobachtet das zum Beispiel im Telekommunikationsbereich beobachtet, in dem viele Start-ups direkt von Amerikanern und Chinesen gekauft wurden. Dadurch verliere man Talente und Know-how.

Start-ups als Geldanlage

Die Risikokapitalbranche fordert deshalb mehr Unterstützung. Die Finanzierung der Start-ups könnte zum Beispiel dadurch verbessert werden, dass man sie mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, auch als Geldanlageobjekt, meint Regina Hodits vom Branchenverband. Die Branche wünscht sich außerdem einen Zukunftsfonds Deutschland, der es Anlegern ermöglicht, ohne Risiko in Start-ups zu investieren. Darin bekommt der Anleger eine feste Rendite. Alles, was darüber hinausgeht, geht an den Staat. Geld, das sonst in Staatsanleihen fließen würde, unterstützt so als Risikokapital Start-ups.

Infos im www

Homepage Roland Berger - Klaus Fuest: Venture Capital: Treibstoff für Innovationen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit

Homepage BVK e.V. - Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften

Zurück zur Übersicht

Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

Wirtschaft aktuell

Überregional kompetent - regional vor Ort. Die Wirtschaft im Inforadio wagt Tag für Tag diesen Spagat mit Hintergrund-Informationen, aktuellen Berichten, Live-Gesprächen, Ratgebern und Börsen-Highlights.