Miniaturhaus im Grünen und Stempel mit Aufschrift Grundsteuer
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Bild: imago/Christian Ohde

- Grundsteuer und Co. verteuern Mieten in Berlin

Die Grundsteuer ist nur was für Hauseigentümer? Falsch. Jeder Mieter zahlt sie mit den Betriebskosten. Eine Studie zeigt nun: Die Steuer ist regional sehr unterschiedlich hoch. Je nachdem wo sie wohnt, macht das für eine vierköpfige Familie einen Unterschied von mehreren hundert Euro im Jahr aus. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky mit Einzelheiten.

Verdoppelt hat sich das Grundsteueraufkommen in den vergangenen zehn Jahren. Sie ist eine wichtige Einnahmequelle für die deutschen Kommunen, so der Präsident des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland Kai Warnecke. Die spielt auf für Mieter eine Rolle, erklärt er, denn die Grundsteuer wird von den Eigentümern an die Mieter weitergegeben.

Erhebliche Unterschiede innerhalb Deutschlands

Jede Kommune legt ihre eigene Grundsteuer fest. Einer Studie im Auftrag von Haus & Grund zufolge gibt es dabei zwischen den hundert größten Städten in Deutschland erhebliche Unterschiede. Am günstigsten ist es in Gütersloh. Hier zahlt eine vierköpfige Musterfamilie gut 320 Euro im Jahr. Am höchsten ist die Grundsteuer in Witten mit 770 Euro. Dabei liegen beide Städte nur rund hundert Kilometer voneinander entfernt. Die beiden untersuchten Brandenburger Städte Cottbus und Potsdam liegen mit 420 und 460 Euro im Mittelfeld.

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat nämlich auch die kommunalen Müll- und Abwassergebühren untersuchen lassen. Die Grundsteuer allein hat nur einen begrenzten Effekt auf die Höhe der Miete. Zusammen mit den anderen Gebühren wird der Einfluss aber größer, rechnet Kai Warnecke vor: Wenn man Müll-, Abwassergebühren und Gründsteuer zusammennehme, könne der sich der Unterschied zwischen den günstigsten und teuersten Städten auf anderhalb tausend Euro belaufen.

Haus & Grund fordert eine transparentere Berechnung

Besonders betroffen ist Berlin. Nur zwei Städte verlangen noch mehr Grundsteuer als die Hauptstadt. 690 Euro muss die Musterfamilie allein dafür im Jahr zahlen.

Allerdings zeigt die Studie auch: Grundsteuer und Co. verteuern die Mieten nicht generell. So haben die Städte mit den höchsten Mieten – München, Frankfurt und Stuttgart – eine durchschnittliche Grundsteuer. Dennoch könnten Kommunen mit stark steigenden Mieten über die kommunalen Gebühren gegensteuern. Warum wird überhaupt gerade über die Grundsteuer diskutiert? Das Bundesverfassungsgericht hatte im Frühjahr entschieden, dass die Berechnung der Grundsteuer verfassungswidrig ist. Nun muss die Politik ein neues Gesetz erarbeiten. Haus & Grund fordert eine transparentere Berechnung. Bisher hängt die Grundsteuer von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Grundfläche aber auch vom Material der Fußböden. Das sei zu kompliziert, kritisiert Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke und schlägt folgendes Modell vor: "Wer eine kleine Wohnung bewohnt, zahlt wenig, wer ein großes Haus mit einem großen Grundstück hat, bezahlt mehr. Das ist fair und gerecht und so können alle ganz genau kalkulieren, wie viel Grundsteuer sie tatsächlich an Stadt und Land bezahlen."

Dass jede Kommune die Höhe der Grundsteuer selbst festlegt, ist aber nicht strittig. Das wird wohl auch nach der Reform so bleiben.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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