Oranienstraße 35 mit Bannern (Quelle: rbb/Jana Göbel)
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Bild: rbb/Jana Göbel

- Kampf gegen steigende Mieten in Berlin

"Mietenwahnsinn widersetzen", das ist das Motto einer Demonstration am kommenden Wochenende. Aufgerufen dazu hat ein Bündnis von mehr als 180 Berliner Bürgerinitiativen und Vereinen. Die Mitglieder setzen sich gegen Verdrängung, Zwangsräumung und für soziales Wohnen ein. Zum ersten Mal sind so viele vereint, sagen sie. Ein Beitrag von Anja Dobrodinsky mit Einzelheiten.

Der Kinderladen "Bande" in der Oranienstraße in Kreuzberg hat die Verdrängung hautnah miterlebt: Den Betreibern stand eine Mieterhöhung um 400 Prozent ins Haus. Nur mit viel Protest ließ sich das abwenden, sagt einer der Väter.

Große Furcht vor Wohnungsverlust

Andere Betroffene wie Mieter, Künstler oder kleine Läden hatten nicht so viel Erfolg und mussten ausziehen. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Mieten in Berlin stark an. Die Hälfte der Berliner hat nun Angst, sich in den kommenden zwei Jahren ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können, so eine Umfrage. Dagegen protestiert ein Bündnis von gut 180 Mieter- und Nachbarschaftsinitiativen, Sozial- und Kultureinrichtungen. Dazu gehört auch Bizim Kiez – auf Deutsch unser Kiez – die Nachbarschaftsinitiative im Kreuzberger Wrangelkiez. Hier ist Magnus Hengge aktiv. Vor einigen Jahren musste auch er seine Wohnung aufgeben. Zum Glück fand er im Kiez eine neue. Er kritisiert, dass Vermieter häufig versuchten, die Mieten mit einer Modernisierung zu erhöhen und dass das auch noch rechtens sei.

Zahl der Zwangsräumungen steigt

Betroffen seien vor allem Bewohner privater Mietshäuser. Der größte private Vermieter Berlins ist die Deutsche Wohnen. Sie hat unter anderem Gebäude am Kottbusser Tor. Hier wohnt auch Georgios Thodos von der Initiative Kotti & Co. Er beschreibt die Zustände so: "Tagelange Heizungsausfälle im Winter, Wartezeiten von Wochen oder Monaten für einfache Mängelbeseitigungen in unseren Wohnungen und auch exorbitante Betriebskosten."

Die seien zum Teil doppelt so hoch wie im Berliner Durchschnitt. Weil immer mehr Mieter verdrängt würden, steige auch die Zahl der Zwangsräumungen. 15 davon gebe es jeden Tag in Berlin, rechnet Tim Riedel vom Bündnis "Zwangsräumung verhindern" vor: "Wir als Bündnis kämpfen dafür, dass die Menschen in ihren Wohnungen bleiben können und auch, dass Wohnen eben keine Ware mehr ist (...)"

Keine Zwangsräumungen, die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus, die Abschaffung der Modernisierungsumlage und der Rückkauf ehemals landeseigener Wohnungen – das sind die Forderungen des Bündnisses. Und denen will es mit der Demo am Sonnabend Nachdruck verleihen.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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