Blick auf das Terminalgebäude und Nebengebäude des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER)
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- Flughafen-Chef: BER wird nie profitabel werden

Die Berliner Flughafen-Chef Lütke Daldrup hat eingeräumt, dass das Hauptterminal am BER dem eigentlichen Bedarf nicht mehr gerecht wird. Vor Unternehmern der Berliner Industrie- und Handelskammer bezeichnete er die Abfertigungshalle als "Kathedrale des Luftverkehrs", die viel zu teuer und unwirtschaftlich sei. Johannes Frewel berichtet von einer milliardenschweren Fehlplanung.

Die Pleite des einst erwartet größten Kunden Air Berlin ist zwar ein Problem, jedoch keineswegs das größte. Womit Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zu kämpfen hat, ist das neue Terminal. Das wird nicht nur viele Jahre zu spät fertig. Es ist zudem für einen Flugmarkt gebaut worden, den es schon lange nicht mehr gibt.

Viel zu teure Kathedrale des Luftverkehrs

Geplant wurde es, als Billigflieger erst eine kleine Nische besetzten. Inzwischen haben sie jedoch 80 Prozent des Markts übernommen. Und genau dafür ist das Terminal unwirtschaftlich, macht Flughafenchef Lütke Daldrup deutlich. Er spricht von einer viel zu teuren Kathedrale des Luftverkehrs: Der heutige Luftverkehrsmarkt sei ein Massenprodukt, der deswegen auch nur eine  niedrige Zahlungsbereitschaft habe.

Wirtschaftlich rechnet sich das gläserne Terminal also wahrscheinlich nie - ein Dauerproblem im Geschäftsmodell. Etwa wegen des viel zu großen Check-in-Bereichs. Teure Baukosten, doch der Check-in findet bereits heute fast vollständig auf dem Smartphone statt. Drei Milliarden Euro verbaut - in wesentlichen Teilen am Bedarf vorbei. Eine unternehmerische Fehlentscheidung, denn nur noch jeder fünfte der Low-Cost-Kunden gehe zur Gepäckabfertigung.

Flughafen-Infrastruktur wird arbeitslos

Easyjet-Kunden werden künftig auch ihr Gepäck selbst einchecken, die Flughafen-Infrastruktur wird arbeitslos. Für künftige Ergänzungs- und Erweiterungsbauten kündigt der Flughafenchef deshalb eine klare Billigstrategie an. Das Gegenteil von billig werden Parkplatz, die Schnell-Abfertigung oder der Restaurantbesuch. Das reicht aber nicht. Deshalb hofft der Flughafen auf Ertragsquellen beispielsweise aus flughafeneigenen Grundstücken. Freilich tut sich da erst irgendwann etwas - aber das sei ein Generationen-Projekt, so Lütke-Daldrup.

Der Hoffnung auf Einnahmen irgendwann stehen Forderungen gegenüber, die heute fällig sind. Um den Schuldendienst zu bezahlen, reichen die Einnahmen nicht aus. Die Folge: Wahrscheinlich bleibt einmal mehr nur die Rettung durch den Steuerzahler.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
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