Gockel steht imposant vor sechs aufgereihten Küken
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- Ökolandwirtschaft und Handel wollen männliche Küken retten

Jedes Jahr werden etwa 50 Millionen von männlichen Küken getötet, weil sie für die Hersteller keinen Wert haben. Im Vergleich zu Masthühnern bringen sie selbst nach intensiver Aufzucht zu wenig Fleisch auf die Waage. Inzwischen suchen Züchter und der Fachhandel nach Möglichkeiten, dass männlichen Küken aufgezogen werden und sich das auch für Unternehmen rechnet. Wie das gehen kann, darüber berichtet André Tonn.

Hühnerzüchter haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark spezialisiert. Die einen ziehen Masthühner auf. Andere Züchter halten in ihren Ställen Hühner, die lediglich Eier legen. Männliche Tiere können sie nicht gebrauchen. Sie setzen später kaum Fleisch an und lassen sich nicht verkaufen. Daher werden männliche Küken getötet.

Fleisch von Bruderhähnen deutlich aromatischer und fester

Ökobetriebe in Deutschland versuchen das zu ändern. Männliche Tiere - sogenannte Bruderhähne - werden bis zu 14 Wochen aufgezogen, danach geschlachtet, verarbeitet und im Fachhandel verkauft.

Mitinitiator ist die Ökologische Tierzucht Überlingen am Bodensee. Geschäftsführerin Inga Günther glaubt, dass männliche Küken herkömmlichen Masthühnern durchaus Konkurrenz machen können, denn das konventionelle Mastgeflügel lebe maximal 30 Tage - im Bio-Bereich deutlich länger. Jedoch das Fleisch von den Bruderhähnen wird deutlich aromatischer und fester sein. Die Tiere werden nicht nur länger aufgezogen. Im Vergleich zur herkömmlichen Mast werden sie nicht ausschließlich auf Höchstleistung getrimmt und werden zudem mit regionalen Futterstoffen aufgezogen.

Mehr Züchter und Einzelhändler müssen mitmachen

Schmackhafteres Fleisch hat natürlich seinen Preis. Nicht überall im Handel zieht man da mit. Daher haben sich die Geflügelzüchter mit Fachhändlern, wie beispielsweise der Lebensmittelkette Biocompany zusammengetan. Dort kosten Eier, die aus  Farmen kommen, in denen auch männliche Küken aufgezogen werden, einen Cent mehr als andere Eier. Dieser zusätzliche Erlös kommt den Zuchtbetrieben zugute, erklärt Manuel Pundt, Einkaufschef bei Biocompany.

Damit die Kunden im Geschäft davon erfahren, will der Einkaufschef die Produkte aus diesen Geflügelbetrieben - also Eier und das Fleisch - gemeinsam präsentieren. Das ist unüblich und erfordert daher Investitionen beispielsweise bei der Kühlung für die Fleischprodukte, die gesondert von den Eiern gekühlt werden müssen.

Fachhandel und Ökolandwirtschaft haben sich also auf den Weg gemacht. Allerdings sind sie erst am Anfang, räumt Manuel Pundt ein. Es müssen mehr Züchter und Einzelhändler mitmachen, damit männliche Küken nicht mehr getötet industriell werden müssen.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
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