Kongo: Kinder transportieren Bananen auf selbstgebautem Fahrrad
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- Fairtrade fordert höhere Erlöse für Bananen-Bauern

Für ein Kilo Bananen müssen wir oft nicht einmal einen Euro bezahlen. Davon aber bleibt fast nichts für die Bananenbauern in Afrika und Mittelamerika übrig. Das kritisiert erneut die Organisation Fairtrade. Auf der Fachmesse Fruit Logistica, die noch bis Freitag in Berlin stattfindet, machte Fairtrade ihre Rechnung auf über die wahren Kosten für Herstellung und Handel mit Südfrüchten. Ein Beitrag von André Tonn.

Der Chef von Fairtrade - Dieter Overath -  räumt mal gleich mit der weit verbreiteten Ansicht auf, dass alles, was bio sei auch automatische fair - und umgekehrt.

Der Verbraucher würde auch etwas mehr bezahlen

So könnten Bio-Bananen und andere Südfrüchte, die beim Discounter angeboten werden, Bauern in Lateinamerika und  Afrika einkömmliche Erlöse einbringen. Das hingegen könnten Lebensmittelketten, die das Kilo Bananen für 99 Cent anbieten, nicht gewährleisten. Selbst Bio-Bananen werden laut einer aktuellen Studie erst zu 70 Prozent fair gehandelt.

Fair heißt: die Bauern, die Südfrüchte produzieren, erhalten einen auskömmlichen Lohn und genießen Arbeits- sowie Gesundheitsschutz. Doch viele Lebensmittelhändler wollen dafür nicht zahlen. Als Grund schieben sie den Verbraucher vor. Bei einem höheren Preis würde der das Bund Bananen nicht kaufen. Der Fairtrade-Chef widerspricht: Er ist ganz sicher, dass die Konsumenten auch weiterhin Bananen essen würden, wenn die 30 oder 40 Cent teurer wären.

Niedrigere Produktionskosten bei Verzicht auf teure Düngemittel

Fairtrade macht für den Bananenabau eine Rechnung auf: Die Branche veranschlagt für Lohn- und Transportkosten regulär rund 5,40 Euro pro Kiste. Bei Fairtrade gehandelten Bananen entstünden am Ende gerade mal 2,90 Euro an Nebenkosten. Und bei dieser Kalkulation hätten die Erzeuger sogar mehr in der Tasche, als große Handelsunternehmen bereit sind zu zahlen. Denn Fairtradebauern würden beispielsweise auf teuren Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichten. Statt dessen nutzen sie natürliche Methoden, um hohe Erträge zu erzielen. In Afrika beispielsweise gebe es eine Initiative, die nützliche Schädlinge gegen andere Schädlinge einsetzen will, und darüber könnten 90 Prozent an Düngemitteln eingespart werden.

Globale Lieferketten regulieren

Darüber hinaus sei wichtig, dass in den Anbaugebieten Arbeits- und Gesundheitsschutz eingehalten werden. Standards, die in Europa gelten, sollten auch auf Farmen, in denen Südfrüchte angebaut werden, Gang und Gäbe sein, fordert der Chef von Fairtrade.
Und er nennt einen weiteren Punkt: Wenn hier beim Thema Mindestlohn 9 Euro pro Stunde gefordert würden, wäre dieser Betrag als Tageslohn in den Bananen produzierenden Ländern schon eine luxuriöse Errungenschaft, so Overath.

Er appelliert nicht nur an deutsche Lebensmittelhändler, sondern zugleich an die neue Bundesregierung, globale Lieferkette zu regulieren, um Lohn-Dumping in den Anbaugebieten Afrikas und Mittelamerikas zu verhindern.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
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