Ein Flugzeug der insolventen Fluglinie Niki steht am 14.12.2017 auf dem Flughafen Schwechat bei Wien
APA, Georg Hochmuth
Bild: APA, Georg Hochmuth

- Wird das Niki-Insolvenzverfahren neu aufgerollt?

Die Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki steht vor einem Rechtsstreit, der den Verkauf an britisch-spanische Investoren ins Wanken bringen könnte. Das Fluggastrechteportal Fairplane hat den Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren des in Wien beheimateten Ferienfliegers nach Österreich zu verlegen. Morgen will das Amtsgericht Berlin darüber entscheiden, ob es sich für die Abwicklung der Niki-Insolvenz weiterhin für zuständig hält. Wirtschaftsreporter Johannes Frewel.

Fluggastrechte sind europaweit einheitlich geregelt. Es ist also für Fluggäste eigentlich ganz gleich, ob sie ihre Rechte bei verspäteten und ganz ausfallenden Niki-Flügen in Deutschland oder beispielsweise am Niki-Gesellschaftssitz in Wien geltend machen. Im konkreten Fall aber wohl nicht, argwöhnt das auf Fluggastrechte spezialisierte Internet-Rechtsportal Fairplane. Fairplane-Sprecher Ronald Schmid betont "Wir glauben, dass das Konkursverfahren für Niki in Österreich geführt werden sollte, schließlich handelt es sich um eine österreichische Fluggesellschaft, die ihren Sitz in Wien hat, die eine österreichische Betriebserlaubnis hat, die jetzt gerade auch noch mal vom Verkehrsminister für drei Monate verlängert worden ist. Auch die Vermögenswerte, die noch da sind, liegen in Österreich."

Interessenkonflikt im Insolvenzverfahren

Fairplane hat beantragt, das Insolvenzverfahren aus Berlin nach Österreich abzugeben. Fluggäste, die Tickets bei Niki gebucht haben, können nur dann auf Geld hoffen, so lange etwas da ist. Niki soll nach Fairplaine-Angaben noch Ansprüche gegen die insolvente Mutter Air Berlin besitzen. Die könnten aber unter den Tisch fallen, da der Leipziger Insolvenzverwalter Lucas Flöther sowohl für Air Berlin als auch für Niki zuständig ist. Die widerstrebenden Interessen der Gläubiger beider Gesellschaften müssten zu getrennten Insolvenzverfahren führen, begründet Schmid, der die Interessen von Niki-Passagieren vertritt. "Unsere Hauptsorge ist, dass hier ein Interessenkonflikt bei dem Insolvenzverwalter besteht. Er kann nicht einserseits Air Berlin und deren Interessen bei der Abwicklung vertreten und gleichzeitig auch die Interessen von Niki".

Keine Stellungnahme vom Insolvenzverwalter

Insolvenzverwalter Lucas Flöther wollte sich nicht in einem Interview äußern, warnte über einen Sprecher aber, der juristische Vorstoß von Fairplane könnte den vorgesehenen Verkauf von Niki an die britische Dachgesellschaft mehrerer Airlines, IAG, zum Platzen bringen. Fairplane sieht ein ganz anderes Risiko. Im Berliner Insolvenzverfahren könnte der 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung für Air Berlin weitaus schwerer wiegen, als die Fluggastansprüche von Niki-Kunden. Bei einem österreichischen Gericht, das nur über Niki befinde, spielten die Verbindlichkeiten der deutschen Mutter jedoch keine Rolle. Ziel sei es "dass hier wirklich Interessen der Niki selbst und natürlich deren Gläubiger getrennt von Air Berlin und deren Gläuber abgewickelt werden können".

Das Amtsgericht Charlottenburg will am Donnerstag in der Zuständigkeitsfrage entscheiden. Fairplane wird in einer Amtsgerichtserklärung als Kleingläubiger bezeichnet, dessen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung habe. Möglicherweise könnte also der Europäische Gerichtshof gefordert sein.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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