Neu-Delhi, Indien: Tibetanische Jugendliche protestieren im März 2019 vor der chinesischen Botschaft anlässlich des 60. Jahrestages des tibetischen Aufstandes gegen China. (Bild: imago/ Hindustan Times)
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- Leben im Exil - Tibeter in Indien

Am 10. März vor 60 Jahren begann in Tibet der Aufstand gegen die kommunistische Regierung der Volksrepublik China. Nach Kämpfen zwischen dem tibetischen Militär und der Roten Armee floh der 14. Dalai Lama nach Dharamsala in Indien, wo er bis heute seine Exil-Residenz hat. Doch viele Exil-Tibeter machen sich inzwischen Sorgen um ihre Zukunft in Indien. Bernd Musch-Borowska berichtet.

Schätzungsweise 120.000 Tibeter leben im Exil, die wenigsten davon in Dharamsala. Die meisten haben in anderen Teilen Indiens, in Nepal oder auf der ganzen Welt eine neue Heimat gefunden. Doch in Dharamsala sei das Zentrum des tibetanischen Freiheitskampfes, sagt ein Exil-Tibeter: "Unsere Hoffnung besteht weiterhin. Wir haben den Mut noch nicht verloren." Aber eine baldige Rückkehr nach Tibet können sich nur wenige Exil-Tibeter vorstellen.

Besonders die Älteren, die die Flucht im Jahr 1959 noch miterlebt haben, erinnern sich gut an die Unterdrückung durch die chinesischen Besatzer. Sie berichten von Zwangsarbeit, dass Mönche ins Gefängnis gesteckt wurden und es verboten war, ihre Religion zu praktizieren.

Vieles deutet auf einen Mittelweg hin

Der Dalai Lama plädiert mittlerweile für eine friedliche Einigung mit der Volksrepublik China und spricht sich für einen Mittelweg aus. Tibet solle in der Volksrepublik bleiben, aber mit weitgehender Autonomie. Doch nicht alle sind damit einverstanden: "Tibet war immer ein unabhängiges Land, dafür gibt es historische Beweise", sagt eine Exil-Tibeterin. Aus ihrer Sicht unterwerfen sich anderen Staaten dem Willen Chinas aufgrund dessen Wirtschaftsmacht.

Der Sprecher des tibetanischen Parlaments hält den Mittelweg hingegen für die einzige realistische Zukunftsperspektive der Tibeter. Bei einer Rückkehr sollten die Tibeter keine Nachteile erfahren - so stehe es in der chinesischen Verfassung und so sollte es auch umgesetzt werden. Doch für viele ist die Zukunft mit Sorge behaftet, vor allem um den 84-jährigen Dalai Lama. Mit seinem Tod verliert Tibet sein wichtigstes Gesicht auf dem internationalen Parkett und auch der Tourismus in Dharamsala - eine der wichtigsten Einnahmequellen - würde verebben.

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