Der Parteichef von Kambodschas Nationaler Rettungspartei (CNRP), Kem Sokha, der seine Unterstützer bei einer Kundgebung in Phnom Penh begrüßt.
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- Der letzte Kampf von Pol Pots Erben

Nach 32 Jahren ist der Kommunistischen Partei Kambodschas die Mehrheit bei den kommenden Wahlen im Juli erstmals nicht mehr sicher. Vor allem die jungen Menschen wollen sich die Bevormundung der  Partei nicht mehr gefallen lassen. Premier Hun Sen reagiert mit brutaler Unterdrückung: Der Oppositionsführer wurde verhaftet, seine Stellvertreterin floh ins Ausland. Kritische Medien werden verboten. Womöglich nur ein letzten Aufbäumen des Regimes gegen das eigene Volk? Holger Senzel berichtet aus einem Land, das immer noch unter dem Erbe Pol Pots leidet.

Kambodscha ist weltberühmt für seine Tempelanlagen von Angkor Wat. Die Bevölkerung des Landes jedoch litt viele Jahre unter der Gewaltherrschaft eines Pol Pot. Der Despot und Anführer der Roten Khmer überzog in den vier Jahren seiner Gewaltherrschaft das Land mit Massenmord, Folter und bestialischen Quälereien. Als das Volk 1979 von den Vietnamesen befreit wurde, waren dort nahezu zwei Millionen Tote zu beklagen. Opfer die mit Knüppeln, Hacken, Eisenstangen und Beilen erschlagen wurden, um Munition zu sparen. Die Kambodschaner nannten das Foltergefängnis Tuol Seng in Phnom Penh das "Vorzimmer zur Hölle". In einer buddhistischen Stupa, einem Glasturm, sind Tausende von Totenschädeln und Knochen aufbewahrt. Die Menschen in Kambodscha bemühen sich auf vielerlei Weise zu überleben. Viele der Landminenopfer schlagen sich ohne staatliche Unterstützung durchs Leben.

Junge Menschen wollen dringend Veränderungen

In dieser Woche will die Nummer zwei der chinesischen Regierung, der chinesische Premierminister Li9 Keqiang, zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Kambodscha reisen und mit ihm eine große Delegation von Wirtschaftsbossen, die nach lukrativen Möglichkeiten Ausschau halten, in dem wenig entwickelten Land zu investieren. Die Beziehungen zu China sind derzeit gut wie lange nicht, denn die Chinesen spendieren Straßen, Brücken, Schulen. Und sie haben  - anders als westliche Demokratien – die kambodschanische Führung öffentlich unterstützt und nicht dafür kritisiert, dass sie das Land mehr und mehr zu einer einparteien Diktatur entwickelt.

Oppositionsführer Kem Sokha  sitzt seit September wegen angeblicher Umsturzpläne im Gefängnis. Zwei Monate später hatte der Oberste Gerichtshof Kambodschas dessen Nationale Rettungspartei aufgelöst und führenden Mitgliedern jede politische Tätigkeit untersagt. Die Rettungspartei war die einzige parlamentarische Opposition. Sie hatte bei der Wahl 2013 knapp gegen die Kamboschanische Volks Partei von Ministerpräsident Hun Sen verloren, der seit 1985 regiert und an seiner Macht festhält. Ob ihm das aber gelingt, ist fraglich. Im Juli dieses Jahres wird gewählt und vor allem die jungen Menschen in Kambodscha wollen Veränderungen.

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