Historische Aufnahme des Berliner Stadtschlosses von 1938 (Bild: dpa/ picture alliance/ Now/ Berlin_Picture_Gate)
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- Wie demokratisiert man ein Kaiserschloss, Christian Walther?

Es ist 1918, der deutsche Kaiser hat sein Berliner Schloss verlassen – was aber nun tun mit der Immobilie? Kurzerhand wird das Haus nicht nur Volkseigentum, sondern auch zum Zentrum für Wissenschaft, Kultur und Frauen, so der Journalist und Autor Christian Walther. Mit ihm hat Christian Wildt über sein Buch "Des Kaisers Nachmieter" gesprochen.

Im Herbst 1918 hatte Kaiser Wilhelm II. das Berliner Stadtschloss bereits verlassen. Am 9. November 1918 dann rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Deutsche Republik aus – am selben Tag noch proklamierte auch sein Ex-Parteikollege Karl Liebknecht die "freie sozialistische Republik Deutschland". Liebknecht war es auch, der das Schloss unter den Schutz der Arbeiter- und Soldatenräte stellte und das Gebäude zum Volkseigentum erklärte, so Walther.

Vom Kaiserschloss zum Volkseigentum


Der erste "Nachmieter" des Kaisers war das Kunstgewerbemuseum, das sich auf zwei Etagen verteilte. Es wurde zum meistbesuchten Museum der Weimarer Republik, so Walther. Schritt für Schritt wandelte sich das Haus zu einem Zentrum für Wissenschaft und Kultur.

"Das war ein Haus – das machte die Fenster auf"


Ebenso zogen nun mehr Frauen ein – viele von ihnen jüdisch, aus dem Ausland und Akademikerinnen der ersten Generation. Unter ihnen war die Physikerin Lise Meitner, aber auch die Berliner Psychologie brachte völlig neue Ideen in das Schloss. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst hatte dort sein Büro – neben weiteren Institutionen, die für Aufbruchsgeist standen, so Walther. "Das sind alles Facetten, die zeigen: Dieses Schloss war nicht ein Ort der Selbstbesinnung auf deutsche Grenzen, deutsche Innigkeit, deutsche Irgendwie-was", so der Autor. "Sondern das war ein Haus – das machte die Fenster auf."

Literaturtipp:

Christian Walther
"Des Kaisers Nachmieter - das Berliner Schloss zwischen Revolution und Abriss"
Verlag Berlin Brandenburg, Mai 2021
184 Seiten