Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth (Bild: dpa / Daniel Karmann)
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- Warum wollen Sie nie auf den Grünen Hügel, Jascha Nemtsov?

Am Sonntag beginnen die Bayreuther Festspiele. Neben der Musik wird dann auch wieder dem Komponisten und Antisemiten Richard Wagner gehuldigt. Über diese problematische Seite der Richard-Wagner-Festspiele hat Kulturkorrespondentin Maria Ossowski mit dem Pianisten Jascha Nemtsov gesprochen.

Jascha Nemtsov ist kein Wagner-Fan. Obwohl er als Pianist und Professor an der Musikhochschule Weimar bestens mit den Werken des deutschen Komponisten vertraut ist, lässt ihn der Start der Bayreuther Festspiele am Sonntag kalt. Ihn zieht es nicht auf den Grünen Hügel. "Der Ort ist zu sehr kontaminiert, sowohl durch seine Geschichte als auch durch seine Gegenwart."

Während der Nazi-Zeit stand dort der bekennende Wagner-Fan Adolf Hitler auf dem Balkon des Festspielhauses, das der Komponist und obsessive Verfechter des Antisemitismus gemeinsam mit einem Architekten bis 1875 selbst errichtet hatte.

Personenkult und problematische Weltbilder

 

Für Nemtsov hat sich an dieser pseudo-religiösen Kultstätte für Richard Wagner bis heute nichts geändert: "Es geht nicht nur um den Persönlichkeitskult, der um den Komponisten etabliert wurde, sondern auch um das Weltbild, das mit diesem Komponisten und seinem Werk verbunden ist." Daran würden auch die Festspiel-Inszenierungen jüdischer Künstler wie Barrie Kosky und Daniel Barenboim nichts ändern, findet Nemtsov.

Obwohl man sich schon seit längerer Zeit bemühe, das Image der Bayreuther Festspiele durch die Einladung jüdischer Persönlichkeiten aufzubessern, sei der Antisemitismus bei weitem nicht das einzige Problematische an Wagners Weltbild, erklärt der Pianist. Auch die Überzeugung des Komponisten, dass die ganze Welt krank sei und eine Erlösung brauche, sei in der heutigen Zeit höchstgefährlich.

Der Wagner-Rausch

 

Wieviel Hitler und seine Anhänger aus den Auslöschungsfantasien Wagners übernommen haben und warum man sich trotzdem nicht schämen muss, wenn man beim Hören von Wagner in einen wahren Rauschzustand verfällt, erklärt Jascha Nemtsov im Gespräch mit unserer Kulturkorrepondentin Maria Ossowski.