Eine Modepuppe steht in der Werkstatt der Berliner Stadtmission und dem Kostümkollektiv im Re-Use-Zentrum.
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- Upcycling: "Im Dialog mit dem Gegenstand"

Reparieren oder umfunktionieren statt wegwerfen und neu kaufen – beim Upcycling geht es nicht nur darum, Ressourcen zu schonen. Wer aus Altem Neues schafft, macht auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, sagt Melanie Jaeger-Erben, Professorin für Nachhaltigkeit an der TU Berlin. Von Christian Wildt

Upcycling sei eine Art gegenseitiges in Wert setzen, sagt Jaeger-Erben. "Man setzt sein eigenes Können in Wert und man setzt Dinge in Wert und schafft sich da vielleicht was Schönes." Die Professorin unterstützt die Idee auch praktisch: Als Leiterin des Projekts REPARA-KUL/TUR, wo interessierte das Selbermachen ausprobieren können.

Gefühl, die Zeit sinnvoll eingesetzt zu haben

 

"Interessanterweise haben wir eine andere Wahrnehmung von Zeit beobachten können", so Jaeger-Erben. Wenn man sich intensiv mit etwas beschäftige, empfinde man letztlich eine Resonanz und das Gefühl, seine Zeit sinnvoll eingesetzt zu haben. Die meisten Menschen, die sich für Upcycling interessierten, hätten bereits im Elternhaus Erfahrungen mit dem Basteln und Reparieren gemacht. Zudem träfen in Reperatur-Cafés verschiedene Generationen aufeinander und tauschten sich aus, berichtet die Forscherin. Es gebe auch Projekte mit dem Ziel, Upcycling in die Schulen zu bringen.

"Eigentlich lohnt sich Reparatur fast immer", sagt Jaeger-Erben. Nicht immer müsse man alles selbst machen, etwa bei Elektrogeräten, für die Fachwissen gebraucht wird. Die billigen Preise für viele Produkte seien jedoch ein Hindernis. "Das ist für alle, die upcyclen und recyclen und reparieren immer total frustrierend zu sehen, dass die Strukturen mir eigentlich immer sagen: das, was du machst, ist nicht wertvoll", sagt die Wissenschaftlerin. Dagegen müsse man ankämpfen - auch im eigenen Kopf.

Bezug zu Gegenständen aufbauen

 

Über Konsum werde heutzutage die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht, sagt Jaeger-Erben und bezieht sich auf den Soziologen Zygmunt Bauman. Dies seien dominante Strukturen, die aber an vielen Stellen auch durchbrochen würden. In den Repair-Cafés gehe es darum, eine Mensch-Objekt-Beziehung zu entwickeln. Dort werde eine Art Dialog mit den Gegenständen aufgebaut, der bei den Menschen ein gutes Gefühl erzeuge.