Grenzpfleiler in den Farben der Fahnen von Polen und Deutschland am Grenzübergang auf der Insel Usedom (Bild: picture alliance/ dpa-Zentralbild)
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- Wie steht es um die deutsch-polnische Freundschaft, Dagmara Jajeśniak-Quast?

Vor 30 Jahren wurde der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet. Dagmara Jajeśniak-Quast forscht an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) am Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien. Andreas Oppermann spricht mit ihr über die Beziehung zwischen Deutschland und Polen.

Die deutsche Wiedervereinigung wurde aus polnischer Sicht skeptisch, ja sogar mit Ängsten verfolgt, sagt Jajeśniak-Quast. Einen "Freundschaftsvertrag" wollte man damals nicht, erinnert sie sich. Denn das Wort "Freundschaft" war innerhalb der DDR und der Volksrepublik Polen überstrapaziert worden und blieb doch auffällig kraft- und bedeutungslos. "Das Wort 'Freundschaft' musste zunächst rehabilitiert werden", sagt die Wirtschaftshistorikerin.

Oder-Neiße-Grenze als Vorbedingung jeglicher Beziehungen


Der Nachbarschaftsvertrag habe viele Entwicklungen befördert, doch dem voraus ging eine noch wichtigere Vereinbarung, sagt Jajeśniak-Quast: "Für Polen selbst war die Anerkennung der Grenze das A und O." Im Juni 1990 hatten der Deutsche Bundestag und die Volkskammer der DDR die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zwischen beiden Staaten bestätigt.

Doch das Zusammenleben verlief anfangs nicht harmonisch. In Frankfurt und Guben griffen deutsche Neonazis polnische Busse mit Steinen an. Jajeśniak-Quast sagt, sie habe verdrängt, dass es ihr Anfang der 90er Jahre unangenehm war, Polnisch auf der Straße in Frankfurt zu sprechen und ihre Eltern sich sorgten, Neonazis könnten auch sie angreifen. "Der Anfang der 90er Jahre war noch keine Normalität. Das war harte Arbeit", sagt sie heute. Die Angriffe hätten damals in Polen auch ein negatives Bild von Ostdeutschland geprägt.


Neue Leuchttürme in Mittel- und Osteuropa gesucht


Heute wünscht sich Jajeśniak-Quast mehr Bündnisse und intellektuelle Schnittstellen für Mittel- und Osteuropa, ähnlich wie es die Europa-Universität Viadrina für die Region ist. Besonders wichtig: die Ukraine und Belarus. Zudem wünscht sie sich mehr offene Kritik polnischer Intellektueller an der Situation in Polen und dem nationalistischen Kurs der PiS-Partei. Auch Sanktionen seien eine Möglichkeit, vor allem wenn sich die PiS-Regierung gegen europäische Werte wendete, sagte die Wirtschaftshistorikerin.