Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord an den Herero und Nama (etwas 1904-1907) im Zentrum der namibischen Hauptstadt Windhoek. (Bild: picture alliance/dpa)
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- Ist eine Aussöhnung mit Herero und Nama möglich, Jana Genth?

Deutschland hat nach über einem Jahrhundert eingestanden, während der Kolonialzeit einen vieltausendfachen Völkermord an den Herero und Nama begangen zu haben. Kann es eine Versöhnung geben? Christian Wildt hat mit der Afrika-Korrespondentin Jana Genth gesprochen.

Auch über einhundert Jahre nach dem Völkermord deutscher Kolonialtruppen an den Herero und Nama, ist in Namibia die Erinnerung daran wach: Nicht nur im Schmerz über die damaligen Greueltaten - verdurstete Kinder und Frauen - sondern auch mit dem täglichen Blick auf Land, das damals gestohlen und bis heute nicht zurück gegeben wurde.

 

Korrespondentin Jana Genth schildert, wie in Namibia die Vergangenheit weiter das Leben bestimmt und was das neue Aussöhnungsabkommen verbessern könnte. Diees haben Deutschland und Namibia geschlossen. Dabei geht es um das Eingeständnis Deutschlands nach über einem Jahrhundert, während Kolonialzeit einen vieltausendfache Völkermord an den Herero und Nama begangen zu haben. Es geht um eine Entschuldigung dafür, die persönlich vom Bundespräsidenten persönlich überbracht werden soll. Und es geht um Geld, das diese Wunden heilen soll: Über eine Milliarde Euro für Projekte zugunsten der heute lebenden Herero und Nama.

Jana Genth sagt, dieser Teil der Geschichte brenne auf den Nägeln der Herero und Nama. "Es sind ihre Familiengeschichten, es ist das, was sie täglich vor Augen haben. Und sie dürsten täglich danach [...] sie wünschen sich inständig, dass von oberster deutscher Stelle eine Entschuldigung kommt."

Hintergrund

Bundesregierung erkennt Völkermord an Herero und Nama an -

Die Bundesregierung erkennt die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia als Völkermord an.

Als Wiedergutmachung sollen rund 1,1 Milliarden Euro in Aufbauprojekte der namibischen Regierung fließen. Über die Frage war mehr als fünf Jahre verhandelt worden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen begrüßte die Einigung. Die Bundesregierung müsse nun aber auch auf die Volksgruppen der Herero und Nama zugehen, die sich von den Verhandlungen ausgeschlossen fühlten.

Vertreter der beiden Volksgruppen haben kritisiert, das Geld zur Wiedergutmachung hätte nicht der Regierung, sondern ihnen direkt zustehen müssen.

Zwischen 1904 und 1908 hatten Soldaten des deutschen Kaiserreichs zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama ermordet. Dies gilt als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts.