Archiv: Schauspielerin Nora Tschirner (Bild: imago images/ Christoph Hardt)
imago images/ Christoph Hardt
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- Darf man über Depressionen lachen, Nora Tschirner?

Eine Depression ist alles andere als lustig – die neue Comedy-Serie "The Mopes" versucht trotzdem, das Thema mit Humor zu nehmen. Nora Tschirner spielt darin als Mitarbeiterin eines Fantasie-Amtes eine lebendig gewordene Depression, die einem Musiker das Leben schwer macht. Von Alexander Soyez

Eine Depression zu verkörpern, habe ihr schauspielerisch viele Freiheiten eröffnet, erzählt Tschirner. Die Rolle in der Comedy-Serie "The Mopes" sei einer Art Fabelwesen ähnlich. In der Welt mystischer und mythischer Wesen könne man eine Depression gut verorten. "Die Art der Angst, die auftaucht, hat sowas Archaisches, das schon auch mit den Ängsten vergleichbar ist, die man als Kind vor solchen undefinierbaren Figuren hat", sagte die Schauspielerin.

Hilfe bei Krisen und Depressionen

Haben Sie dunkle Gedanken? Sie fühlen sich traurig und leer, sind depressiv oder denken daran, sich das Leben zu nehmen? Bei der anonymen Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Menschen, die Ihnen zuhören und weiterhelfen können.

Telefonnummern der Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 www.telefonseelsorge.de

Berliner Krisendienst

www.berliner-krisendienst.de

Berliner Kindernotdienst

Tel.: 030 61 00 61
www.berliner-notdienst-kinderschutz.de

Tschirner: Humor kann Mut machen bei Depressionen

Sie wolle dazu beitragen, dass das Thema nicht mehr stigmatisiert wird. Humor könne über Depressionen aufklären oder einfach den Anstoß setzen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, so Tschirner. Die Erzählweise von "The Mopes" sei dafür gewinnbringend. "Ich hätte das einfach ganz schlicht gerne gesehen, als ich selbst betroffen war", sagt die Schauspielerin. Sie habe seit ihrem 18. Lebensjahr episodenhaft depressive Phasen erlebt. Der Witz der Serie hätte ihr damals Mut geben können, so Tschirner.

Sie wünsche sich, dass die Erkrankung enttabuisiert wird, damit mehr Menschen Hilfe bekommen. Es gebe nach wie vor ein reales Stigma und viele Menschen, die eine Depression in ihrem Arbeitsumfeld nicht zugeben können, weil sie sonst Konsequenzen befürchten müssten. "Ich frage mich wirklich, ob der Suizid letztendlich krankheitsimmanent ist oder nicht eigentlich wirklich stigmaimmanent", sagt die 39-Jährige. "Es führt zu Selbstmord, dass man sich nicht verbinden und darüber nicht sprechen kann." Sie hoffe, dass in einigen Jahren nur noch über diese Tabuisierung gelacht werde. Es brauche eine "seelische Infrastruktur", in der psychische Erkrankungen existieren dürfen.