Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial (Bild: dpa/ picture alliance/ Paul Zinken)
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- "Wir müssen Berliner Vielfalt auch in Institutionen abbilden"

Rund 35 Prozent der Menschen in Berlin haben einen Migrationshintergrund - ihr Anteil in den öffentlichen Verwaltungen der Stadt ist aber viel geringer. Wie ein Quotensystem dies ändern könnte, hat Reporterin Birgit Raddatz Berlins Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial gefragt.

Im Gesetzesentwurf zum sogenannten Partizipations- und Migrationsgesetz in Berlin gehe es nicht mehr um eine "starre Quote", so Niewiedzial - sondern um eine Erhöhung des Anteils von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Berliner Behörden. Derzeit liege der Migrationsanteil in Berlin bei 35 Prozent. Das sei die Grundlage, an der man sich orientiere, so die Integrationsbeauftragte.


Verstärkung von Migrationserfahrung in Berliner Behörden


Zunächst müsse erst einmal genau ermittelt werde, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund bereits in öffentlichen Ämtern arbeiteten. Geschätzt sind es derzeit etwa zwölf Prozent. Anschließend werde diese Ist-Zahl mit der Soll-Zahl abgeglichen und die Behörden würden Förderpläne aufstellen, sagte Niewiedzial. Bei der Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern für einen Posten könne man sich so auch deutlicher für Personen mit Migrationsgeschichte entscheiden. Die Angabe bei der Bewerbung sei aber freiwillig. Dabei werde man für eine Stelle nicht weniger Kompetenz verlangen, sagte die Integrationsbeauftragte.


Mangel an Vielfalt führt zu blinden Flecken


Es gehe bei einer derartigen Förderung nicht darum, Migrationserfahrung als besonderes Extra in verschiedene Bereiche der Verwaltung zu bringen, so Niewiedzial. Vielmehr durchdringe das Thema Migration bereits jetzt alle Lebensbereiche - aktuell sehe man dies zum Beispiel im Gesundheitssektor an der Coronakrise. Sprachliche oder kulturelle Barrieren könnten es erschweren, bestimmte Gruppen in Berlin zu erreichen. "Wir können es uns nicht leisten, Gruppen außen vor zu lassen - ob im sozialen oder ethnischen Kontext", so die Berlinerin.

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