Igor Levit bei der lit.Cologne 2019 Veranstaltung 'Warlam Schalamow - Wie davon erzählen?' im WDR Funkhaus. Köln, 25.03.2019
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- Igor Levit: Politischer Pianist

Mit gestreamten Konzerten aus seinem Wohnzimmer erreichte Igor Levit während des ersten Lockdowns ein großes Publikum. Für sein politisches Engagement wird Levit von Rechtsextremen angefeindet. Harald Asel spricht mit ihm über die Notwendigkeit, Haltung zu zeigen.

"Ich kann nur machen, woran ich glaube", sagt Igor Levit. Als Bürger, Pianist, Aktivist und Mensch beschreibt sich der 33-Jährige auf seinem Twitter-Account. Diese verschiedenen Eigenschaften könne man nicht trennen. "Alles, was mich beschäftigt, bringe ich mit und es äußert sich auch", sagt Levit.

 

Miteinander und gegenseitiger Halt in der Pandemie

Er nehme jede einzelne inhaltliche Kritik auf, betont der Musiker. "Ich habe keine Deutungshoheit über die Wirkung einer Beethoven-Sonate", sagt Levit. Diese Art der Auseinandersetzung sei gut und wichtig. Anders sieht es aus, wenn versucht wird, Levit aufgrund seines politischen Engagements seine Fähigkeiten als Künstler abzusprechen: "Sehr häufig ist es am Ende eine glasklare Machtfrage: Wer hat Deutungshoheit über seine Geschichte? Und wenn man die Deutungshoheit an sich reißt, fühlen sich einige auf den Schlips getreten. In häufgen Fällen ist es aber auch blanker Rassismus", sagt Levit.

Durch seine Wohnzimmerkonzerte habe er viele Nachrichten von Menschen erhalten, die zum ersten Mal mit Musik in Berührung gekommen seien, erzählt Levit. "Das Schöne war, dass ich schon das Gefühl hatte, dass durch diese Konzerte trotz des Digitalen so etwas entstanden ist wie Nähe, ein Miteinander und gegenseitiger Halt - und der Kitt waren Töne", sagt Levit.