Der Philosoph und Autor Gunter Gebauer
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- Der Mensch: Ein Glückswurf mit Mängeln

"Wie wird man ein Mensch?" Das ist eine der ganz großen Fragen. Der Philosoph und Anthropologe Gunter Gebauer geht ihr seinem neuen Buch mit eben jenem Titel nach. rbb-Kulturreporterin Maria Ossowski hat mit ihm darüber geredet.

Der Mensch hat in seiner Geschichte schon eine Menge überstanden: Von der Pest über Weltkriege bis zu Klimakatastrophen. Warum also ist er noch nicht ausgestorben – oder zumindest unsere Linie nicht? "Der Mensch hat sich immer angepasst", erklärt der Philosoph Gunter Gebauer. "Der Mensch ist ein Wesen, dass sich immer wieder macht. Er hat sich ursprünglich auch gemacht, er ist aus einem 'Vorgänger-Tier' entstanden, durch Aufrichtung. Und das ist der entscheidende Punkt in der Geschichte der Menschheit."

Laut Nietzsche ist der Mensch "im Würfelspiel der Natur ein Glückswurf". Gunter Gebauer stimmt dem absolut zu: "Nietzsche stellt sich vor, da würfelt jemand für uns und wir erleben dann das Schicksal. Ja, es ist ein Glückswurf, weil hier so viel zusammenkommt, was bei keinem anderen Tier entsteht."

Glückswurf - aber nicht die Krönung

Als "Krönung der Schöpfung" möchte Gebauer den Menschen deswegen jedoch nicht gerne sehen: "Das ist eine theologische Vorstellung, die hat eigentlich auch sehr viel Schaden angerichtet. Der Mensch hat dadurch so viel Bestätigung erhalten, dass er sich zum Herren der Schöpfung gemacht hat. Und das ist sicher eine falsche Vorstellung, wenn man sagt, Krönung bedeutet, man kann mit seinen Untertanen in gewissen Hinsicht machen, was man will. Und hat der Mensch ja gemacht – und macht es bis heute."

Warum Gefühle ungerechtfertigterweise lange als Feinde des Denkens galten, wodurch der Mensch ein Bewusstsein für sich selbst entwickelt hat und wie Corona das Distanzgefühl des Menschen verändert hat, darüber spricht Gunter Gebauer mit rbb-Kulturreporterin Maria Ossowski.