Brandenburg, Oehna: Wohnhäuser nahe der Ortsmitte.
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- Wachstum in Brandenburg – ein Nullsummenspiel

Brandenburg ist ein junges Bundesland - gerade mal 30 Jahre alt. Rund 2,5 Millionen Menschen leben hier heute. Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat sich mit Bevölkerungswissenschaftler Reiner Klingholz auf eine Entdeckungstour in die Demographie Brandenburgs begeben.

WIEDERHOLUNG VOM OKTOBER 2020

"Brandenburg ist das einzige Flächenland in Ostdeutschland, das seine Bevölkerungszahl seit der Wende in etwa stabil gehalten hat", erklärt Reiner Klingholz. Er ist Bevölkerungsforscher und ehemaliger Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Der Grund: "Das ist Berlin", sagt er. Berlin als Hauptstadt des vereinten Deutschlands habe sich als großen Magneten für die Menschen herausgestellt.

Insbesondere der Speckgürtel von Berlin sei attraktiv für Zuwanderer. Gerade weil Berlin immer beliebter zum Wohnen geworden ist, habe es aber auch schnell an Platz gemangelt. Die Bevölkerung sei Richtung Brandenburg gedrängt worden. Dort gebe es gute Anbindungen nach Berlin, mehr Platz, viel Natur und günstigere Mieten.

 

10.000 EinwohnerInnen aus Berlin ziehen pro Jahr nach Brandenburg

 

 

Das heutige Problem, auch in den größeren Städten in Brandenburg, sei die alternde Gesellschaft. Besonders Cottbus und Frankfurt (Oder) hätten damit zu kämpfen. Die Abwanderungswelle selber habe bis 2003 gehalten, sagt Klingholz. Seitdem seien auch viele wieder zurück aus den westdeutschen Bundesländern gekommen. "Die Neuen – das sind Menschen aus Westdeutschland, aus allen Bundesländern, aber auch aus dem Ausland", sagt er.

Berlin verliere pro Jahr rund 10.000 EinwohnerInnen Richtung Brandenburg. Berlin wachse durch die Zuwanderungen von AusländerInnen. Aber Berlin verliere diejenigen, die einen deutschen Pass haben und das sind die, die nach Potsdam ziehen, erklärt Klingholz.

 

Nullsummenspiel für Brandenburg

 

In Brandenburg litten aber insbesondere die kleinen Dörfer und Orte. Sie könnten der (älteren) Bevölkerung oft nicht das bieten, was es für ein einfaches Leben gebraucht. Stattdessen würden diese Menschen oft in die sogenannten Mittelstädte umsiedeln. Diese Städte hätten sich nun stabilisieren können, "weil sie ihr eigenes Umland leerräumen", sagt der Forscher. "Ein Nullensummenspiel für Brandenburg", fasst es Klingholz zusammen.

Auch die Braunkohle-Regionen im Strukturwandel seien schwer zu stabilisieren, sagt er. Die wenigen jungen Menschen, die dort noch lebten, müssten vier bis fünf Kinder bekommen und es müsste eine Zuwanderung von außen stattfinden, um diese Region zu stabilisieren.

 

Positive Beispiele gibt es - "Das funktioniert aber nicht überall"

 

Brandenburg/Havel aber sein ein gutes Beispiel: "Die haben wieder Wachstum, die haben wieder Arbeitsplätze. Daran sieht man, dass das geht", so Klingholz. Die Frage sei aber, ob das überall ginge. Das sei wahrscheinlich zu verneinen. Denn umso besser es diesen Städten ginge, desto schlechter ginge es den anderen Orten: "Sie müssen sich die Leute ja irgendwo herholen." Denn langfristig werde auch die Bevölkerungszahl in Deutschland nicht wachsen.