Die Kuppel des Petersdoms im Vatikanstaat vor dramtisch dunklem Himmel mit Wolken (Bild: picture alliance / abaca | Vandeville Eric)
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- Hubert Wolf erforscht historische Geheimnisse des Vatikans

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf darf die vatikanischen Akten aus der Zeit des Holocaust einsehen. Er spricht über den Nervenkitzel, wenn er die Archive durchforstet und warum er statt einer Papstgeschichte lieber über die Opfer der Nationalsozialisten schreiben will.

Nicht erst seit den Krimis von Dan Brown übt der Vatikan eine große Faszination aus. Es ranken sich viele Geheimnisse um den Kirchenstaat und seine Päpste. Einer, der sich vor 40 Jahren mit dem Vatikanvirus, wie er selbst sagt, infiziert hat, ist der Kirchenhistoriker Professor Hubert Wolf aus Münster.

Der katholische Theologe gehört jetzt auch zu jenen, die Akten aus den Jahren 1939 bis 1958 einsehen dürfen, die erst seit diesem Frühjahr zugänglich sind. Es geht darum herauszufinden, wie Papst Pius XII. zum Holocaust stand. Ulrike Bieritz hat mit Hubert Wolf über seine Forschungen, erste Erkenntnisse und die Faszination Vatikan gesprochen.

In den Archiven befinden sich Hunderte Kilometer von Akten aus der ganzen Welt, erklärt Hubert Wolf: "Sie können zu allen möglichen Themen hochinteressantes Material finden, weil der Vatikan, die katholische Kirche, wahrscheinlich der erste wirkliche Global Player auf dieser Welt war."

Eine erste Sichtung der Akten aus der Zeit ab 1939 habe ergeben: "Juden, getaufte Juden, aber vor allem auch nichtgetaufte Juden aus ganz Europa zwischen 1939 und 1945 schreiben eigenhändig dem Papst und bitten ihn in ganz unterschiedlichen Situationen um Hilfe." Dies sei ein Stück Weltgeschichte, so Wolf. Er wolle den Menschen wieder ein Gesicht und einen Namen geben und über ihre Schicksale erzählen: "Muss man statt einer Papstgeschichte nicht doch lieber eine Opfergeschichte schreiben?", so der Professor.