Blick auf die Mauer der Nationen mit dem Schriftzug "Polen" auf dem Gelände des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück.
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- Dieter Bingen: Ein Polen-Gedenkort in Berlin

Der Bundestag hatte Ende Oktober entschieden, an prominenter Stelle in Berlin einen Ort zu schaffen, der den polnischen Opfern des 2. Weltkriegs und der Nazi-Besatzung gewidmet ist. Dieter Bingen, ehemaliger Direktor des Deutschen Polen-Instituts, hat sich mit Matthias Bertsch darüber unterhalten, warum ein solches Denkmal wichtig ist.

Es ist eine der politischen Handlungen, die sich tief in das Gedächtnis der Bundesrepublik eingegraben haben: der Kniefall von Willy Brandt in Warschau. Ob der Kanzler dabei mehr an die jüdischen oder nicht-jüdischen Polen dachte, schließlich kniete er vor dem Mahnmal zum Gedenken an den jüdischen Ghetto-Aufstand nieder, spielt keine so große Rolle. Wichtig war, dass er sich vor den Opfern des deutschen Größenwahns verneigte: Es war eine Geste der Demut und der Bitte um Entschuldigung.

Dieter Bingen war einer der Initiatoren des Aufrufs

 

Für Dieter Bingen wäre eine weitere solche Bitte dringend nötig. Der Politikwissenschaftler und Historiker stand lange an der Spitze des Deutschen Polen-Instituts und ist einer der Initiatoren des Aufrufs für ein Polen-Denkmal am Anhalter Bahnhof. Drei Jahre, nachdem die Initiative zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat sich der Bundestag Ende Oktober mit dem Thema beschäftigt und beschlossen, "an prominenter Stelle in Berlin einen Ort zu schaffen, der den polnischen Opfern des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Besatzung Polens gewidmet ist."

Dieter Bingen. (Bild: picture alliance/dpa/Frederik von Ericksen)
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