Prof. Peter Dabrock, Ethik-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. (Bild: imago/Jürgen Heinrich)
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- Gibt es eine Impf-Ethik?

Eines ist klar: Die Covid-19-Impfung kommt. Überhaupt nicht klar ist, ob sich genug Menschen impfen lassen, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Sollten wir Impfen also als gute Tat verstehen? Darüber spricht Inforadio-Redakteur Christian Wildt mit dem Ethikprofessor Peter Dabrock.

Bundesweit entstehen gerade Impfzentren für den Covid-19 Impfstoff. Wichtige Menschen im Gesundheitssystem kommen zuerst dran, dann besonders Anfällige und Menschen mit heraus gehobenen Aufgaben. Aber wie wird sich der Rest der Bevölkerung verhalten? Werden sich genug Menschen impfen lassen, um die Herdenimmunität zu erreichen?

Peter Dabrock lehrt Ethik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und war lange Vorsitzender des deutschen Ethikrates. Er sagt, man müsse grundsätzlich zwischen einer rechtlichen und einer moralischen Pflicht bezüglich des Impfens unterscheiden. Nach allem Abwägen der Expertenmeinungen gebe es eine moralische Pflicht sich zu impfen, da man es nicht nur für sich tue, sondern auch für vulnerable Gruppen.

Vielfältige Motivationen, großes Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie

 

Der Ethiker glaubt, dass man das Gespräch mit den Impfskeptikern suchen müsse. Es gebe hier offenbar vielfältige Motivationen. Teilweise sei das auch ein großes Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie. Man wisse natürlich, dass da nicht alles ganz edel zugehe. Aber: "Wir haben einen unheimlich polarisierenden Diskurs", wo es sehr schwer sei, vermittelnde Gespräche zu führen.

Man müsse aktuell die vermuteten Risiken einer Impfung gegen die Überlastung eines ganzen Gesundheitssystem gegenüberstellen. Führe man sich dies vor Augen, gebe es eine "hohe moralische Pflicht", sich impfen zu lassen, so Dabrock. Es liege aber in der Natur des Menschen, erstmal abzuwarten.

Hyperkritischer Blick, offen für Verschwörung

 

Man dürfe aber an dieser einen Stelle „jetzt einen hyperkritischen exzeptionellen Blick darauf werfen, was wir ja in vielen Bereichen auch nicht tun, wo wir das normale Lebensrisiko als Maß nehmen.“ Man müsse sich davor hüten in eine Verschwörungserzählung hineinzugeraten.

Dabrock plädiere dafür, auf die Stärken zu schauen und an den Zweifeln und Hemnissen zu arbeiten. Dies heiße aber nicht, die Menschen in moralische Geiselhaft zu nehmen und sie zu schlechten Menschen zu erklären, nur weil sie nicht bereit seien, sich impfen zu lassen.