Klaus Deuter Lehmann. (Bild: imago/Marius Schwarz)
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- Klaus-Dieter Lehmann: Abschied eines Kulturmanagers

Er war Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und zuletzt Präsident des Goethe-Instituts: Über Jahrzehnte hat Klaus-Dieter Lehmann das kulturelle Leben in Deutschland mitgeprägt. Jetzt geht er in den Ruhestand - mit 80 Jahren. Barbara Wiegand hat ihn zum Gespräch getroffen.

Die Art, wie Klaus-Dieter Lehmann das kulturelle Leben gestaltet hat, brachte ihm den Ruf eines Kulturdiplomaten ein. Vor kurzem wurde er nun als Präsident des Goethe-Institutes verabschiedet. Aber nur weil er ausgeschieden sei, bleibe er dem öffentlichen Leben trotzdem treu. "Ich war immer ein großer Netzwerker“, so Lehmann.

Den Staffelstab abgegeben an seine Nachfolgerin Carola Lentz habe er in turbulenten Pandemie-Zeiten. Man hatte zum Teil einen harten Lockdown in den 100 Ländern, in denen man vertreten sei, hinter sich. Man sei vor Ort aber auch immer Partner gewesen, gerade was die Lerngemeinschaften angehe, betont Lehmann.

Stärkung der Zivilgesellschaften über Kultur und Bildung

 

Klaus-Dieter Lehmann habe während seiner Präsidentschaft die Kultur niemals ausschließlich als eine ästhetische Kategorie betrachtet, also nicht nur Autoren und Musiker auf Tournee geschickt, "sondern wir haben etwas gemacht, was notwendig ist, (…) wir haben die Zivilgesellschaften gestärkt." Diese könne nur dann gestärkt werden, wenn sie über Kultur und Bildung Zugang habe. Dies habe man vor allem in Afrika und Asien so umgesetzt, aber auch in Europa.

Lehmann ist studierter Mathematiker und Physiker, außerdem als Präsident der Stiftung preußischer Kulturbesitz der Vater des Humboldtforums. Aktuell müsse man sich über die Konzeption dessen aber Gedanken machen, sagt er. "Und den Gedankenschutt, der sich in diesem Jahrzehnt angesammelt hat, wegräumen." Das Schloss solle aus Lehmanns Sicht auch aufgrund seiner Geschichte zum Ort des Dialogs werden.

Kuriose Debatte um die Zerschlagung der Stiftung

 

Die Debatte um die Zerschlagung der Stiftung preußischer Kulturbesitz sieht Lehmann zwiegespalten, denn die Gründer hätten ja "eine kluge Idee gehabt". Nämlich, dass die kulturellen Objekte einen gemeinsamen Kontext für die Öffentlichkeit bekommen sollten.
Es sei zwar eine korrekte Analyse des Wissenschaftsrates durchgeführt worden, dass man etwa zu viele Hierarchieebenen habe oder ungeklärte Budgethoheiten.

Zum anderen hätten die Schlussfolgerungen mit dieser Analyse aber wenig bis gar nichts zu tun gehabt. "Das ist das Kuriose", sagt Lehmann. Aus seiner Sicht werde die Aufspaltung mehr Probleme schaffen, als dass sie gelöst würden.

Die Kultur und die Kulturvermittlung werde auch weiterhin eine prägende Rolle im Leben des Klaus-Dieter Lehmann spielen. Er werde sich aber nun mehr der Wissenschaft widmen, sagt er: "Arbeitslos werde ich nicht werden."