Symbolbild: Leere Turnhalle (Bild: imago images)
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- "Das Thema Kinderschutz im Sport wird immer noch unterschätzt“

Immer wieder kommt es zu Fällen von Kindesmissbrauch in Sportvereinen. Wie Taten zukünftig besser aufgeklärt und verhindert werden können, erklärt die Kinderschutzbeauftragte des Berliner Landessportbundes, Meral Molkenthin.

Immer wieder kommt es in Berlin zu Fällen von Kindesmissbrauch in Sportvereinen. Auf die Frage von Eltern, ob sie ihre Kinder überhaupt noch sorgenfrei zum Sport gehen lassen können, hat die Kinderschutzbeauftragte des Berliner Landessportbundes, Meral Molkenthin, trotzdem eine klare Antwort: "Ja - wenn der entsprechende Verein seine Verantwortung im Kinderschutz ernst nimmt.“

Sehr viele ehrenamtliche Mitarbeitende in den Berliner Sportvereinen würden sich immer mehr für das Thema Prävention von Missbrauch im Sport interessieren, sagt Molkenthin. "Ich erlebe sehr viele Menschen, die Unterstützung möchten für präventive Maßnahmen und Schulungen.“

Sportvereine sind anfällig für Täter

Es gebe aber auch nach wie vor Vereine, die das Thema Kinderschutz unterschätzen, kritisiert die Kinderschutzbeauftragte. Das Umdenken, dass es auch im Sport zu Missbrauchsfällen kommen kann, sei noch nicht in allen Vereinen angekommen.

Den Fokus bei der Suche nach Tätern nur auf Menschen mit pädophilen Neigungen zu beschränken, hält Molkenthin für falsch. "Auch verheiratete Männer und Frauen mit Familie machen Übergriffe.“ Für alle Menschen, die übergriffig werden wollen, seien Sportvereine dabei besonders interessant, weil es sehr viel Körperlichkeit und Hilfestellungen gibt, erklärt die Kinderschutzbeauftragte.

Vereinsstrukturen sind entscheidend

Außerdem sind Sportvereine auf Menschen angewiesen, die motiviert sind ehrenamtlich zu arbeiten. Damit werden sie auch zu einem leichten Ziel für Menschen, die nur in einem Sportverein arbeiten wollen, um Zugriff auf Kinder zu haben.

Missbrauchsfälle finden dabei durch alle Sportarten hinweg statt. Turnen oder Schwimmen sind nicht weniger anfällig als etwa Fußball, erklärt Molkenthin. Es gehe vielmehr um die Strukturen des Vereins. "Wissen die Vereinsverantwortlichen, welche Trainer für sie arbeiten? Haben die Trainer ein Führungszeugnis eingereicht?“ Diese Fragen sind entscheidender als die Sportart, so die Kinderschutzbeauftragte.

Thema braucht Aufmerksamkeit

Bisher gibt es jedoch nur wenig erarbeitete Konzepte des Landessportbundes Berlin, alle Vereine auf solche Richtlinien zu verpflichten. "Das Thema Missbrauch ist nicht nur im Sport gesellschaftlich immer noch tabuisiert“, sagt Molkenthin. "Deswegen bewegen sich die Dinge nur sehr langsam.“

Am Ende seien Aufmerksamkeit und ein Bewusstsein für das Thema aber wichtiger als verbindliche Richtlinien, die dann nur in der Schublade liegen, so Molkenthin. Dafür geht die Kinderschutzbeauftragte des Landessportbundes immer wieder auf die Berliner Vereine zu und bringt das Thema Kinderschutz auf deren Agenda.

"Es braucht Politiker, die realisieren, wie wichtig dieses Thema ist. Man muss aber auch die Leute in den Vereinen packen und sie ansprechen, damit sie den Kinderschutz im Sport ernstnehmen."

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