Symbolbild: Sozialwohnungen in Deutschland
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- Christian Baron - Aufwachsen in Armut

Der Berliner Journalist Christian Baron taucht in seinem Buch "Ein Mann seiner Klasse" tief ein in die Erfahrungen seiner von Armut geprägten Kindheit. Kulturredakteur Harald Asel hat sich mit dem Autor unterhalten.

"Ein Mann seiner Klasse" ist die Geschichte von Christian Baron und seiner Familie. Er erzählt die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Dabei beschreibt er, was es bedeutet, in Deutschland in Armut aufzuwachsen.

Insbesondere die Beziehung zu seinem Vater steht in diesem Buch im Fokus. "Das Verhältnis zu meinem Vater ist eine Geschichte verpasster Gelegenheiten", sagt Baron. Sein Vater starb im Alter von 43 Jahren. Seine Mutter verlor Baron bereits im Alter von neun Jahren. Aufgewachsen sind er und seine Geschwister nach dem Tod der Mutter bei seiner Tante.

Klassenflucht

 

Auch wenn sein Vater nie arbeitslos gewesen sei, habe er die Familie mit seinem Lohn als Hilfsarbeiter nicht ernähren können: "Daraus ist ein Frust entstanden, der später im Alkoholismus und in Gewalt ausgeartet ist", erzählt Baron. Für Baron hieß das schließlich, "Klassenflucht" zu begehen. Als einziger in seiner Familie habe er das Abitur gemacht und studiert. Er sei der einzige und erste seiner Familie, der nicht mehr in Kaiserslautern lebe.

"Ich möchte gerne ankommen im Akademiker-Milieu, weiß aber, dass ich da eigentlich nicht so ganz hingehöre, sondern woanders herkomme", sagt der Autor. "Zwei Seiten zerren an mir und dieser Schmerz, der daraus resultiert, den werde ich wohl nie los."

Schamgefühl

 

"Die Armut, in der wir gelebt haben, die war sehr stark durch Scham geprägt“, erinnert sich Baron. Auch wenn der Vater von seinem Lohn die Familie nicht ernähren konnte, habe er sich aus Stolz geweigert, zusätzliche Hilfe vom Staat anzunehmen. "Bei meiner Mutter war’s dann doch eher die ganz starke Scham aufs Amt zu gehen und sich die Blöße zu geben", sagt Baron.

Mit seinem Buch wolle er vor allem auch diejenigen erreichen, um die es in dem Buch geht. Er habe versucht eine Sprache zu finden, die klar mache, worum es genau geht und "dass diese Menschen anders sprechen und dass sie ihre eigene Sprache und ihren eigenen Zugang zur Welt haben", erklärt Baron.

Kaiserslautern als Beispielstadt

 

Auch Kaiserslautern als Stadt bringe einen Symbolwert mit sich. "Ich glaube, dass Kaiserslautern ein gutes Exempel für die Mittelstädte ist, die abgehängt sind und in der Literatur und im Journalismus immer weniger vorkommen", so der Autor. Ihm ginge es bei dem lokalen Bezug auch darum, auch diese Städte einmal zu beleuchten, die normalerweise vergessen werden. Er meint auch, der Blick sollte sich nicht immer nur in den Osten wenden, sondern auch die übrigen strukturschwachen Regionen des Landes.

 

Das Gespräch mit Christian Baron wurde erstmals am 12. Februar auf inforadio.de veröffentlicht.

Weitere Informationen

Buch: Ein Mann seiner Klasse

Autor: Christian Baron

Verlag: Claassen, 2. Auflage, 31. Januar 2020

ISBN: 978-3546100007