Familienangehörige trauern um die Opfer des Massakers von Srebrenica im Memorial Center in Potocari, Bosnien und Herzegowina
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- 25 Jahre Srebrenica: "Im Krieg kann jeder Täter oder Opfer werden"

Am 11. Juli jährt sich das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, das Massaker von Srebrenica, zum 25. Mal. Bosiljka Schedlich vom Verein Südost Europa Kultur arbeitet mit den Überlebenden daran, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Mit Ursula Voßhenrich hat sie über das Erzählen gegen den Krieg und Kultur als Hoffnung gesprochen.


In der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1995 habe sie die Geschehnisse rund um Srebrenica über eine Telefonverbindung zum Bürgermeister der Stadt mitverfolgt, erzählt Schedlich. "Wir haben naiv versucht, alle möglichen Politiker und das UNHR darauf aufmerksam zu machen, dass ein Massaker dort bevorsteht - es hat alles nichts genutzt."

 

"Andrang von Menschen, die Kultur als Hoffnung gesehen haben"

 

Die Geschichten der Überlebenden, mit denen Schedlich in Therapiegruppen gearbeitet hat, beschäftigen sie noch heute. Manche hätten nur überlebt, weil sie sich unter Leichen versteckten, berichtet die Menschenrechtsaktivistin.

Man habe sehr viele Kulturveranstaltungen organisiert, um die Menschen zusammenzubringen, erzählt Schedlich. Viele Menschen seien durch den Nationalismus nicht mehr erreichbar, fast "psychotisch" gewesen. "Da haben wir gedacht, dass Kultur das ist, was die Menschen verbindet", sagt die gebürtige Kroatin. "Es gab so einen Andrang von Flüchtlingen, die Kultur als Hoffnung gesehen haben."

 

"Wir erzählten gegen den Krieg"

 

Ein anderer wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit bestand in Therapie- und Gesprächsgruppen. "Wir erzählten gegen den Krieg", sagt Schedlich. Der Verein brachte Überlebende des Jugoslawien-Krieges mit deutschen Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zusammen.

Sprechen kann helfen, doch eine tiefe Verunsicherung bleibe bei vielen Überlebenden bestehen. Lässt sich aus einem Massaker wie in Srebrenica möglicherweise etwas lernen? "Wenn sie eine Weile in Therapie gewesen sind, begreifen die Menschen, die das überlebt haben, dass jeder im Krieg sowohl Täter als auch Opfer werden kann", sagt Schedlich. Einige hätten gelernt, dass man alles tun muss, damit Menschen nicht in die Psychose hineinkämen, die in Jugoslawien vor dem Krieg entstanden sei.

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