Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper, steht vor Beginn der Fotoprobe von "Das Rheingold auf dem Parkdeck" auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin
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- Wie Intendant Dietmar Schwarz die Deutsche Oper durch die Krise führt

Dietmar Schwarz leitet die Deutsche Oper – in Corona-Zeiten ein chaotischer Beruf. Er behilft sich inzwischen mit Open-Air-Oper auf dem Parkdeck und hofft ab Herbst auf reduzierte große Opern. Kulturkorrespondentin Maria Ossowski hat Dietmar Schwarz getroffen.

"Was ich jetzt tue, hat wenig mit dem zu tun, was ich sonst getan habe." Das sagt der Intendant der Deutschen Oper, Dietmar Schwarz. Gefragt seien während der Corona-Pandemie vor allem kommunikative Fähigkeiten. "Die Künstler haben Entzugserscheinungen."

Entzugserscheinungen bei den Künstler*innen

Da seien manchmal sogar psychoanalytische Fähigkeiten wichtig, sagt Schwarz. Denn teilweise gehe es den Künstler*innen sehr schlecht, weil sie ihren Beruf nicht ausüben können.

Chor besonders betroffen

Vor allem der Chor sei betroffen – denn die Forschung zeigt, dass durch das Singen die Infektionsgefahr besonders hoch ist. "Die Stimmung ist am Ende der Spielzeit besser, als sie zu Anfang war", sagt Schwarz. Nach Rücksprache mit Ärzten konnten sie im Freien wieder proben. Aber die Normalität mit einem großen Chor, dicht gedrängt auf der Bühne, sei weit entfernt.

Oper auf dem Parkdeck

Inzwischen bietet die Deutsche Oper Open-Air-Oper auf dem Parkdeck an. Die ersten Vorstellungen seien innerhalb von 15 Minuten ausverkauft gewesen, erzählt Schwarz. Im August geht es weiter. Für Kinder und Jugendliche sei außerdem eine Dschungelbuch-Version geplant.

Sitzen im Schachbrett-Muster im Saal?

Wie es im Operhaus weitergeht, weiß noch niemand. Schwarz hofft auf eine Sitzordnung im "Schachbrett-Muster". Nun würden zunächst einmal 300 Karten pro Vorstellung verkauft, er hoffe aber auf 600 Plätze aufstocken zu können.

Notlösung: reduzierte große Oper ab Herbst

Starten soll es im September mit einer reduzierten großen Oper. Eine Notlösung, ohne Chor und die fehlenden Stellen der Oper werden durch Erzählungen ersetzt. Aber der Intendant sagt klar: "Das möchte ich eigentlich nicht."

90 Prozent der Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit

Auch wie es finanziell mit der Oper weitergeht, sei unklar. 90 Prozent der Mitarbeiter*innen seien in Kurzarbeit gegangen. Bislang habe das Haus 4,2 Millionen Euro verloren, sagt Schwarz. Bis zum Sommer sei das aber kompensiert worden durch die Kurzarbeit. "Aber wie es weitergeht bis zum Dezember – das kann ich nicht sagen."

Kommunikation mit anderen Opernhäusern intensiviert

Das Positive an Corona sei aber auch die intensivere Kommunikation mit anderen Opernhäusern, sagt Schwarz. "Es tut schon sehr gut – gerade in Situationen, in denen man nicht weiß, wie man entscheiden soll – zu hören: Wie entscheidet ihr?"