Archiv: Rund um den verhüllten Reichstag drängen sich am 25. Juni 1995 in Berlin zahlreiche Besucher, um das Werk des amerikanischen Künstlers Christo zu sehen.
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- 25. Jahrestag der Reichstagsverhüllung

Am 24. Juni 1995 war es soweit: Silbergraue Stoffbahnen wurden an der Fassade des Berliner Reichstages herabgelassen. Das Künstlerpaar Christo und Jeanne Claude war nach einem Vierteljahrhundert am Ziel. Der Historiker Michael S. Cullen hatte das Projekt angestoßen - Harald Asel hat mit ihm gesprochen.

Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude hat vor 25 Jahren das Projekt "Wrapped Reichstag" geschaffen. Vom 24. Juni bis 7. Juli 1995 verhüllten sie den späteren Bundestag.

Von der Postkarte zur Verhüllung

Eine Postkarte markierte den Anfang. Das Motiv zeigte das massige Gebäude des Reichstags. Der in Berlin lebende US-Historiker Michael S. Cullen gab die Karte mit auf den Weg in die USA zu Christo (1935-2020) und Jeanne-Claude (1935-2009). Auf der Postkarte notiert: der Vorschlag, den Reichstag zu verhüllen.

Ein unübersehbares Gebäude

Es sei das Schicksal des Reichtagsgebäudes selbst, das ihn auf die Idee gebracht hatte, sagt Cullen. "Es ist ein großes Haus, unübersehbar." Doch vielen sei die Geschichte des Hauses - auch kurz nach der Wiedervereinigung wenig oder gar nicht bewusst gewesen.

Aus unterschiedlichen Motiven für die Verhüllung gestimmt

Nach der Idee im Jahr 1971 gingen Jahrezehnte dahin voller Planung, Debatte und Zweifel. Es sei immer eine umstrittene Aktion gewesen, erinnert sich der Historiker Cullen. Manche Politiker hätten für die Umsetzung gestimmt, weil sie das Gebäude gehasst hätte. Andere wiederum stimmten dafür wegen der Diskussion, die die Verhüllung erzeugen würde.

Gefühl der Gemeinschaft

Für Cullen bleibe das schöne Gefühl, dass zwei Wochen lang Menschen zum Reichstag pilgerten - egal zu welcher Tageszeit und in welcher Kleidung - und dass sie dort gemeinsam picknickten. Und: "Es hat vielen Bundestagsabgeordneten das Gefühl gegeben, in einem wunderschönen Haus zu arbeiten."