Der Autor Ilija Trojanow
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- Trojanow: Für gerechtere globale Strukturen nach der Krise

Ilija Trojanow ist Bestseller-Autor. Seine Werke handeln von zahlreichen Aufenthalten und Begegnungen in Ländern jenseits des europäischen Wohlstandes. Auch in der Corona-Krise meldet sich Trojanow zurück: Die Gesellschaft müsse umdenken und erkennen was - auch abseits von Corona - auf der Welt schief läuft.

Das Wort Krise im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist für den Autor Ilija Trojanow zu ungenau. "Das, was sich in Ländern des globalen Südens abspielt – und zwar schon seit längerem –, ist eine Dauerkatastrophe", betont er. Viele kämpften täglich mit Hunger, Klimaschäden, brutalen Konflikten, Naturkatastrophen und Plagen. Nun komme aber noch die Corona-Pandemie hinzu.

"Wir können jetzt nicht nur punktuell die Folgen dieser Pandemie betrachten, sondern wir müssen tatsächlich den Blick weiten und uns fragen, was läuft grundsätzlich schief", so Trojanow. Derzeit gebe es zwei starke Konfliktpunkte auf der Erde: "Eine noch nie dagewesene Ausbeutung der Natur und eine zunehmende Ausbeutung der Menschen."

In vielen Entwicklungsländern mangele es an den einfachsten Standards. Dort breche auch das zusammen, was in Deutschland und Europa noch als selbstverständlich angesehen werde: "Nämlich die Versorgung mit Wasser, Essen und Strom, das ist dort gefährdet."

 

Umdenken statt Reparieren

 

Als Lösungsansatz schlägt er vor, die Krise nicht als eine Bedrohung zu empfinden, die es zu überwinden gelte, um den zuvor existierenden Status quo wiederstellen: "Man muss sagen, wie kann ich den Neuanfang so setzen, dass man gerechtere, nachhaltigere, bessere Strukturen hat." Es müsse jetzt überlegt werden, was grundsätzlich geändert werden könnte. "Diese Pandemie hat gezeigt, dass nur gesamtgesellschaftliche Strukturen – von der Öffentlichkeit kontrollierte Strukturen (ohne Profit-Orientierung) – funktionieren", betont Trojanow.

Grundsätzlich müssten sich Denkweisen und Politik ändern, so Trojanow. Doch ethisches Verhalten sei für viele nur zumutbar, wenn die eigene Geldbörse betroffen ist. "Ein absurdes Argument", sagt der Autor. Er plädiert dafür, Impfungen und medizinische Grundversorgung müssten als Gemeingut verstanden werden. "Wir müssen dafür sorgen, dass das was wir jetzt entwickeln der Gesamtgemeinschaft gehört."

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