Mit einem selbst gefertigten Transparent fordern Teilnehmer der Massendemonstration am 04.November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz freie Medien (Bild: dpa-Zentralbild)
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- Mandy Tröger: Übernahme der DDR-Presse

In der Wendezeit gab es viele Veränderungen - auch in der Presselandschaft. Die Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger kommt in ihrem Buch "Pressefrühling und Profit" zu dem Schluss: Westdeutsch Interessen haben eine basisdemokratische Wende in der DDR-Presselandschaft verhindert. Darüber hat sie mit Dietmar Ringel gesprochen.

Die Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger hat als Kind die Proteste Anfang November 1989 in Berlin-Ost miterlebt. Dabei war der Ruf nach Presse- und Medienfreiheit wichtig, erinnert sie sich: "Das war eine der zentralen Forderungen im Herbst 89." Wie bundesdeutsche Interessen die Pressetransformationen in der DDR beeinflusst haben, wurde seither in der Forschung zu wenig beachtet, so Tröger.

Ihre Arbeit zu dem Thema habe ergeben, dass es verschiedene wirtschaftliche und politische Interessen aus Westdeutschland gegeben habe, die frühzeitig in der damaligen DDR versuchten, sich selbst zu etablieren und den Markt zu gestalten. Westdeutsche Verlage waren demnach bereits im November 1989 dabei, den Markt zu erschließen.

Unterschiedliche Voraussetzungen in Ost und West



Es gab zu der Zeit politische Forderung zu westdeutschen Produkten und auch den Willen eines deutsch-deutschen Presseaustausches. Dabei gab es unterschiedliche Voraussetzungen in den beiden Teilstaaten. Das bestehende rechtliche und politische Vakuum wurde schnell durch Wirtschaftsinteressen aufgefüllt.

Initiativen, die sich in der DDR für eine neue Presselandschaft gebildet hatte, wurden "überrannt", so die Medienwissenschaftlerin. Die Marktübernahme des Pressebetriebssystem sei dabei entscheidend gewesen: "Das liest sich in den Akten wie ein Wirtschaftskrimi."

"Untergang der neuen Zeitungen bedeutete auch Untergang des demokratischen Traums"


Die Neugründungen in der DDR seien ein Spiegel für die Zeit des demokratischen Aufbruchs, so Tröger und weiter: "Und der Untergang dieser Zeitungen damit auch ein Untergrang des demokratischen Traums." Eine ehrliche Aufarbeitung dieser Vorgänge sei wichtig - auch mit Blick auf die Zukunft: "Man kann vieles aus der Wendezeit lernen." Dort seien viele Ideen entstanden, die Presselandschaft neu zu denken, sagt die Medienwissenschaftlerin Mandy Tröger.