Tower der Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt, Zwillingstürme Hochhaus, in trüben Wolken Frankfurt am Main
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- Aufstieg und Fall der Deutschen Bank

Vor 150 Jahren wurde die Deutsche Bank in einer Nebenstraße des Gendarmenmarkts in Berlin gegründet. Es folgte ein rasanter Aufstieg bis zum harten Fall nach der Finanzkrise. Der Berliner Wirtschaftshistoriker Alexander Nützenadel spricht über die bewegte Bank-Geschichte.

2007 - vor der Finanzkrise - war eine Aktie der Deutschen Bank 80 Euro wert. Heute wird sie zum Taschengeldpreis von weniger als fünf Euro gehandelt. Die Deutsche Bank hat einen langen Weg hinter sich: von den beschaulichen Anfängen in Berlin, zum größten deutschen Geldinstitut, und wieder zurück zum Überlebenskampf in der Gegenwart.

Deutsche Bank ohne Deutschland

1870 wurde die Deutsche Bank gegründet. Zu einem Zeitpunkt als es Deutschland so noch gar nicht gab. Mit dem Namen wollte man damals vor allem als Bank auftreten, die das Geschäft von deutschen Firmen im Ausland finanziert, erklärt der Wirtschaftshistoriker der Humboldt-Universität, Alexander Nützenadel. "Die Deutsche Bank hat die nationale Einigung mit ihrem Namen so quasi vorweggenommen."

Durch die Konzentration auf die Finanzierung der deutschen Großindustrie und die Mitgestaltung von Börsengängen verschiedener Unternehmen, wie AEG und Siemens, konnte die Deutsche Bank auch in Krisenzeiten wie dem Gründerkrach und während der großen Depression stetig weiter wachsen, erklärt der Wirtschaftshistoriker.

Stütze des Nazi-Regimes

Die schwierige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg überlebte die Deutsche Bank noch durch Zusammenschlüsse mit anderen Banken. Aber in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre musste die Deutsche Bank durch Staatshilfen gerettet werden. Die Gegenleistung war die Stützung des Nazi-Regimes, die Arisierung und die Finanzierung des Zweiten Weltkriegs.

"Nach 1933 musste die Deutsche Bank drei ihrer sieben Vorstandsmitglieder entlassen, weil sie nach den Vorgaben der Nationalsozialisten als jüdisch galten", sagt Nützenadel. Im Zusammenhang mit der Expansion der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg habe die Deutsche Bank dann viele europäische Banken und Unternehmen an sich genommen, und sei so zu einer Bank mit europäischer Reichweite geworden.

Durch sehr gute Kontakte in die Politik und die Industrie gelang es der Deutschen Bank auch nach ihrer Zerschlagung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer Trägerin des Wirtschaftswunders in Westdeutschland zu werden, erklärt Nützenadel. Dabei wurde die Deutsche Bank auch immer öfter zum Teilhaber großer deutscher Industrieunternehmen.

Bedeutungsverlust seit der Finanzkrise

Nach der Wiedervereinigung galt der deutsche Bankenmarkt als „oberbanked“, erklärt der Wirtschaftshistoriker. Deswegen stürzte sich die Deutsche Bank auf das internationale Finanzgeschäft. "Das hat der Bank viele Probleme bereitet, weil man im internationalen Kapitalmarkt keine ausreichende Erfahrung besaß“, so Nützenadel.

Mit dem Investmentbanking übernahm sich die Deutsche Bank. Eine Fehleinschätzung, die sie bis heute verfolgt, sagt der Wirtschaftshistoriker. Das war auch der Auslöser für den Bedeutungsverlust, den die Bank seit der Finanzkrise erfährt.

"Die Frage ist, ob die Deutsche Bank noch einmal in der Lage ist, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das wieder Solidität und langfristige Renditen ins Haus bringt und nicht auf kurzfristige und hohe Ziele setzt, die gar nicht zu erreichen sind."