Eine Krankenschwester tröstet eine Seniorin (Bild: imago images / PhotoAlto)
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- Gita Neumann (HVD) wünscht Sterbewilligen mehr Hilfe

Das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe ist verfassungswidrig. Das hat Bundesverfassungsgericht verkündet. Gita Neumann ist Psychologin und Medizinethikerin. Sie berät Sterbewillige beim Humanistischen Verband Deutschlands (HVD). Darüber hat sie mit Christian Wildt gesprochen.

Umfragen zeigten, dass sich drei Viertel der Bevölkerung wünsche, die Möglichkeit zur Sterbehilfe zu haben. Allerdings "haben wir es mit einer ganz kleinen Minderheit zu tun, die tatsächlich den Freitod für sich in Anspruch nehmen möchte", so die Medizinethikerin Gita Neumann.

Dazu zählen laut Neumann oft Menschen ab 80 oder 85, die zunehmend mit schwersten Erkrankungen zu tun haben. Wenn die Pflege auch mit Unterstützung von außen in der Familie nicht mehr zu stemmen sei, kämen "die Gedanken, ob man sich das nicht ersparen will."

 

Forderung nach Beratungsstellen für alle

Gita Neumann selbst hat im Rahmen ihrer Tätigkeit im Humanistischen Verband Deutschlands bereits sechs Mal eine Suizidbegleitung mitgemacht. Dabei habe sie die Personen seit Jahren bereits gekannt.

Diese Begleitung sei bisher mit einer Mitgliedschaft im Humanistischen Verband verbunden. Der Verband setze sich aber für Suizidhilfe-Konfliktberatungsstellen ein, um Beratung auch für Nicht-Mitglieder anbieten zu können. Dies sei bisher durch den Paragrafen 217 nicht möglich gewesen. Denn die Arbeit des Vereins gelte als geschäftsmäßig.

 

Sorgfaltskriterien für Sterbehilfe

Aktuell gebe es bundesweit keinen Arzt, der noch Suizidhilfe leistet, erklärt Neumann. Dabei könne man durch Gespräche in der Beratung den Menschen auch Alternativangebote nennen: Etwa wie man Lebensqualität durch bestimmte Maßnahmen - wie eine Pflege oder die Dosis von Medikamenten - ermöglicht.

Auch nach einer Änderung des Paragrafen 217 gehe es dem Verband nicht um eine Verpflichtung der Ärzte. Diese sollten nach wie vor, Sterbehilfe ablehnen dürfen. Die Ärzte, die diese allerdings anbieten wollten, sollten Sorgfaltskriterien prüfen. Etwa: "Weiß jemand um Alternativen?" Oder: "Ist der Wunsch einer spontanen Augenblickshandlung geschuldet?"

"Der Sinn der ganzen Sache ist, dass man Medikamente, die zu einem humanen Sterben führt, verschrieben bekommt." So sollte einsamen Suiziden vorgebeugt werden. "Sinnvollerweise sollte es auch ein Patient sein, den Ärzte auch lange kennen", ergänzt Gita Neumann.

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Schwerkranker Mann zu Hause.
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Pflegerin hält die Hand eines Sterbenden [Quelle: imago/Oberhäuser]
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