Veronika Rücker. (Bild: dpa)
dpa
Bild: dpa

- Rücker: "Olympische Spiele würden Deutschland sehr gut tun"

Sie ist eine der einflussreichsten Frauen im deutschen Sport: Veronika Rücker. Die 49-Jährige ist die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ein Interview über Führungsstil, Aufgaben und Ziele, sowie eine neue deutsche Olympiabewerbung.

Veronika Rücker ist einer breiten Öffentlichkeit zwar eher unbekannt, doch hat sie quasi die Fäden in der Hand, was die Sportpolitik in Deutschland angeht. "Es ist eine spannende Position mit vielen Möglichkeiten, den Sport mitzugestalten", sagt sie selbst über ihren Posten.

Die Nachfolgerin von Michael Vesper hat sich einen etwas anderen Führungsstil auf die Fahnen geschrieben. "Ich setze etwas andere Schwerpunkte", sagt Rücker. Sie selbst zeigt sich eher für das operative Geschäft im DOSB verantwortlich. Repräsentieren sollen andere. Allen voran DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Wir haben da aber ein sehr gutes Miteinander", sagt Rücker.

Sichtar machen, was in den 90.000 Vereinen geleistet wird

Die 49-Jährige Sportwissenschaftlerin vertritt im DOSB 27 Millionen Mitgliedschaften in 90.000 Vereinen. Wahrlich ein Riese unter den deutschen Verbänden. "Es ist ein riesengroßes Pfund, was wir da bewegen können", sagt Rücker. Wobei die Leistungen, die von diesen Vereinen bewegt werden, häufig in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen würden. Rücker sieht ihre Verantwortung genau darin, das sichtbar zu machen, was die Vereine an der Basis leisten. Denn diese würden eine "ganz zentrale Rolle" in der Gesellschaft übernehmen.

Im DOSB muss die Vorsitzende aber auch den Breitensport mit dem Leistungssport verknüpfen. Für Rücker keine Problematik. Die langjährige Tennisspielerin will Impulse setzen – gerade für die kleinen Vereine. Ihre aktive Karriere hat sie dabei sehr geprägt. Rücker freut sich sehr, dass in Berlin bald wieder ein internationales Frauen-Tennisturnier an den Start kommt.

Reform das Spitzensports als "Marathon"-Aufgabe

Ihre Funktionärs-Karriere hat sie an der Deutschen Sporthochschule in Köln gestartet. Dort beriet sie Verbände und lehrte im Sportmanagement. Von der Wissenschaftlerin wurde sie anschließend zur Funktionärin im DOSB. Den kannte sie bereits gut durch ihre Arbeit. "Das hat mir den Wechsel deutlich erleichtert", sagt sie rückblickend.

Aktuell befasst sich Rücker vor allem mit einer Reform des Spitzensports. Dort sei man auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ende. Diese Aufgabe sei laut Rücker aber "kein 100-Meter-Lauf sondern eher ein Marathon“. Dass dort reformiert werden musste, sei vielen Beteiligten klar gewesen. Allerdings sei es für die einzelnen Beteiligten immer hart, wenn die Reform bei ihnen ankäme. "Weil das oft einen Einschnitt bedeutet." Man wolle stärker konzentrieren und das zieht dann auch für die Athleten oft einen räumlichen Wechsel nach sich.

Olympiabewerbung müsse von der ganzen Nation getragen werden

Zu den zahlreichen Initiativen einer neuen deutschen Olympiabewerbung sagt Rücker: "Ich bin der festen Überzeugung, das Olympische Spiele uns, dem Land Deutschland, sehr gut tun würden und viele positive Effekte für alle Beteiligten hätte." Dieses Ziel sollte man nie aus den Augen verlieren.

Entscheidend finde sie, dass es eine nationale Bewerbung gebe und "es ist letztlich zweitrangig, ob das Berlin, Hamburg oder Rhein-Ruhr sein wird." Man müsse die ganze Nation hinter eine solche Bewerbung bringen.