Der Jesuiten-Pater und Schulleiter des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes (Quelle: dpa/Tirl)
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- Pater Mertes: "Da wusste ich, dass ich in die Verantwortung gehen musste"

Vor genau zehn Jahren wurde der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg des Jesuiten-Ordens bekannt, nicht zuletzt durch den Schulleiter Klaus Mertes. Im Vis à vis schildert er seine Sicht der Vorfälle und spricht über die Folgen des Skandals.

Als vor genau 10 Jahren die Türen zum Büro von Pater Mertes aufgingen und drei ehemalige Schüler eintraten, war dem Schulleiter des Berliner Canisius-Kollegs die Dimension dessen, was er gleich hören würde, noch nicht klar. Dass sie gekommen waren, um Missbrauchsfälle mitzuteilen, wusste Mertes. Aber erst nach dem Gespräch wusste er: "Dann muss es ja noch mindestens noch 100 Opfer, wenn nicht mehr geben, die ebenfalls betroffen sind. Und daraus ergab sich für mich, dass ich da in die Verantwortung gehen musste und die ehemaligen Jahrgänge ansprechen musste."

Mit dem Brief, den Mertes danach an 600 ehemalige Canisius-Schüler schrieb und möglichen weiteren Opfern Gespräche anbot, deckte er einen der größten Missbrauchsskandale in der deutschen Kirchengeschichte auf. Doch als Aufklärer wollte und will er sich nicht gesehen wissen: "Dass die Presse mich als Aufklärer bezeichnet hat, denn das war für die Betroffenen schmerzlich. Denn die eigentlichen Aufklärer sind ja die Betroffenen. Und für die war es ganz schwierig, dass ich in der Öffentlichkeit gelobt wurde – und nicht sie."

Wir der ganze Fall sein Verhältnis zur Kirche verändert hat, was es für die Jesuiten bedeuten würde, die geforderten Entschädigungszahlungen leisten zu müssen und warum er denkt, dass an Kirchenschulen sehr viel in Sachen Prävention geschehen ist, darüber spricht Pater Klaus Mertes mit Margarethe Steinhausen.

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Ein Kreuz liegt auf dem Begriff "Missbrauch". (Bild: Christian Ohde)
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"Die Kirche hat verschleppt, so lange es ging"

Vor zehn Jahren kam der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ans Licht. Die Aufarbeitung erfolgt schleppend, beklagen Opferverbände. Über den Skandal und den Umgang der Kirche damit haben wir mit Matthias Katsch gesprochen. Er ist Sprecher des Betroffenenvereins "Eckiger Tisch".