Birgit Langebartels im Inforadiostudio (Bild: rbb/Christian Wildt)
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- Birgit Langebartels: Working Moms und das Depressionsrisiko

Niedergedrückt sein, keine Freude, keinen mehr Antrieb haben: All das können Anzeichen fürt eine Depression sein. Millionen Menschen sind betroffen und "leben im Leerlauf", wie es die Psychologin Birgit Langebartels ausdrückt. Nach der Auswertung von intensiven Interviews beschreibt sie in einem Buch, wie man die "die verborgene Logik der Depession verstehen“ kann, nämlich auch als Reaktion auf gesellschaftlichen Hochdruck. Inforadio-Redakteur Christian Wildt sprach mit Birgit Langebartels.

Zunächst einmal räumt die Psychologin mit einem Vorurteil auf: Von Depressionen besonders stark betroffen sind mitnichten nur "niedergedrückte Menschen, sondern auch sehr agile Menschen, denen der Boden unter den Füßen weggerät", erklärt Langebartels. Und es komme auch nicht auf die Art des Schicksalsschlags an, der die Depression ausgelöst hat. "Es ist manchmal sogar viel schwieriger, wenn die Depression aus dem Nichts kommt, wenn man also eigentlich alles hat", sagt die Psychologin.

Besonders "Working Moms" sind bedroht

Zu diesem Personenkreis zählen insbesondere junge Mütter, die arbeiten gehen. "An was 'Working Moms' festhalten, ähnelt oft sehr stark der Struktur der Depression. Mittlerweile befinden sich viele von ihnen ein einem 'Bilder-Battle', einem Kampf um Bilder, die sie leben und ausfüllen wollen: fürsorgliche Mutter, beste Ehefrau, wunderbare Freundin, Selbermacherin, sexy, fit usw…Sie wollen in allem perfekt sein, aber das geht nicht. Sie müssen Abstriche machen von ihren Allmachtsgefühlen und ihrem Perfektionismus. Gerade Allmachtsgefühle führen unweigerlich in Überforderung und Kränkung, wenn ich als junge Mutter all das nicht erfüllen kann. Schlimmstenfalls führt das dann zur Depression", erklärt Langebartels.  

Was dem folgt, ist dann das Gegenteil von Aktivität: der innerliche Rückzug, die totale persönliche Stilllegung. "Aber das führt mitnichten dazu, dass man sich erholt. Depressive Menschen kommen nicht zur Ruhe, ihr Gedankenkarussell dreht sich weiter", so die Psychologin.