Autorin Nadja Klier
privat/ Matthias Wehofsky
Bild: privat/ Matthias Wehofsky

- Eine wilde Jugend in der DDR: "Tief im Herzen bin ich Ostler"

Nadja Klier ist Fotografin, dreht Filme und schreibt. Sie wuchs im Osten Berlins auf und lebte gemeinsam mit ihrer Mutter, der Filmemacherin und Bürgerrechtlerin Freya Klier in der Oderberger Straße in Berlin-Prenzlauer Berg - bis zur zwangsweisen Ausbürgerung 1988. Da war sie 15 Jahre alt. Über ihr letztes DDR-Jahr hat Klier ein Buch geschrieben und rbb-Redakteurin Ulrike Bieritz davon erzählt.

"Ich fühle mich als Ossi." Das sagt die Fotografin, Autorin und Filmemacherin Nadja Klier heute, fast 30 Jahre nach dem Mauerfall. Der Grund? Die ersten 15 Lebensjahre seien prägend - und die hat sie in der DDR verbracht. Dort lebte sie mit ihrer Mutter in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg. 1988 dann wurde die Mutter - Regisseurin Freya Klier - festgenommen und anschließend wurden beide gemeinsam ausgebürgert.

Zwischen Alkoholexzessen und Entwurzelung

Über die Jahre der Entwurzelung hat Klier ein Buch geschrieben: "1988: Wilde Jugend" heißt es. Es sei ihr nicht schwer gefallen, über die wilde Zeit mit Alkoholexzessen, Discobesuchen und Liebschaften zu schreiben. "Es ist aus mir herausgepurzelt. Es hat danach geschrien", erzählt sie.

Sie habe das Buch mit großer Ehrlichkeit geschrieben. Und eigentlich gehe es um einen Ausnahmezustand in der Teenager-Zeit. "Als meine Mutter abgeholt wurde an dem Morgen, war mir klar, dass irgendetwas kaputt gegangen ist, dass sich etwas ändert, was sich so nicht wieder herstellen lässt", erzählt Klier. Letztlich sei diese Entwurzelung ein Trauma gewesen. Gemeinsam mit einer Therapeutin hat sie es Jahre später aufgearbeitet.

Für wen ist ihr Buch geeignet?

"Ich finde, das Buch ist geeignet für meine Generation und alle, die im Osten groß geworden sind", meint Klier. Vielleicht fänden sie ähnliche Erinnerungen wieder.

"Gleichzeitig finde ich es richtig toll für junge Leute, 15- oder 16-Jährige, die sonst etwas ganz anderes lesen." Ihre Geschichte zeige etwas Entscheidendes, meint Klier. Man taumele manchmal, aber das sei eben normal und man könne auf die Füße fallen, wenn man sich selbst nicht aus den Augen verliere.