Porträt von Patrizia Schlosser - aufgenommen im Inforadio-Studio (Bild: rbb/ Christian Wildt)
rbb/ Christian Wildt
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- RAF-Recherche: "Es war wie in einer Zeitkapsel"

Die Journalistin Patrizia Schlosser hat sich mit ihrem Vater auf die Suche nach den letzten aktiven RAF-Terroristen gemacht. Dabei ist sie auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Dennoch kamen dabei ein Podcast und ein Buch zustande. Über ihre Recherche hat Patrizia Schlosser mit Inforadio-Redakteur Christian Wildt gesprochen.

Als im Jahr 2016 die Polizei nach Überfällen DNA-Spuren eines untergetauchten RAF-Trios fand, war die Idee für Patrizia Schlossers Recherche geboren. Zusammen mit ihrem Vater wollte sie Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette ausfindig machen. Ihr Vater, Guido Schlosser, war in der Zeit des RAF-Terrors Polizist. Heute ist er in Rente.

Zusammen haben sie sich auf Suche quer durch die Republik gemacht und sind mit Menschen aus dieser Zeit zusammengekommen. Sie wurden etwa von einem Pärchen aus der linksextremen Szene zum Kaffee eingeladen.

"Taten werden nicht reflektiert"

"Es war wie in einer Zeitkapsel zu sein", sagt Patrizia Schlosser. Ihr Eindruck sei, dass sich die Menschen seit der RAF-Zeit nicht viel verändert haben. "Man hat sich gefühlt wie in den 80er Jahren."

Dabei haben die Autorin und ihr Vater angeregte Diskussionen mit den Linksextremen geführt. Geholfen habe dabei auch, dass der Vater mit seinen konservativen Überzeugungen andere Fragen gestellt habe, als Patrizia Schlosser es als Journalistin getan hätte. Dabei sei sie davon überrascht gewesen, dass die Menschen die Taten von damals nicht reflektierten. Sie sagt: "Es war merkwürdig mit Menschen zu tun zu haben, die sagen: Für seine Ideale muss man einfach auch mal jemanden umbringen, es geht nicht ohne Gewalt."

Recherche war wie eine Familientherapie

Sie selbst habe sich durch die Recherche verändert. Auch das Verhältnis zu ihrem Vater sei anders. "Es hat uns dazu gebracht, dass wir uns besser verstanden haben", sagt sie. Der Impuls für das Buch sei: "Auch wenn man unterschiedlicher politischer Ansicht ist, ist es besser, wenn man versucht, darüber zu reden anstatt zu schweigen." Dadurch könne man lernen, Differenzen auszuhalten.

Am Ende haben die beiden das Trio nicht erreicht. Aber Vater und Tochter planen nun weitere gemeinsame Projekte: Sie wollen sich etwa das Olympiaattentat von 1972 vornehmen. Denn auch da gäbe es viele noch nicht erzählte oder vergessene Geschichten.

Buch

"Im Untergrund: Der Arsch von Franz Josef Strauß, die RAF, mein Vater und ich"

Von Patrizia Schlosser

Seiten: 256

Erschienen bei Hoffmann und Campe