York Maecke (Bild: Yorck Maecke)
Yorck Maecke
Bild: Yorck Maecke

- Yorck Maecke: "In der DDR galt ich als toxisch"

Yorck Maecke war einer von fast 400.000 DDR-Bürgern, die ihr Land nach dem Bau der Mauer 1961 mit einem Ausreise-Antrag verließen. Das war immer mit Komplikationen und Umwegen verbunden: Für Maecke bedeutete es Lebensgefahr und Knast. Denn seine Abkehr von der DDR startete mit einem gescheiterten Fluchtversuch. Christian Wildt ließ den gebürtigen Leipziger Yorck Maecke, der seit langem als Fotograf in Berlin lebt, diese Geschichte erzählen.   

Schon als achtjähriger Schüler begann Yorck Maecke, dem Land seiner Geburt, der DDR, den Rücken zuzukehren. Die Distanz zum System erwachte, als er im elterlichen Wohnzimmer in Leipzig die Bilder des Prager Frühlings in der Tagesschau sah. "Damals in der Schule sollten wir kurz danach Lieder über die Volksarmee und russische Soldaten lernen, das fand ich jetzt nicht so toll, denn die fahren ja mit 'nem Panzer über Krankenwagen. Das fand ich blöd, und das hat mich distanzieren lassen", erzählt Maeck.

Erste direkte Konfrontation nach der großen Pause

Dann, als 16-jähriger Schüler, sammelte er Unterschriften gegen die Ausweisung von Wolf Biermann: "In der großen Pause bekam ich gerade mal vier Unterschriften zusammen, dann standen plötzlich zwei Herren im Klassenraum und haben mich ins Vorzimmer des Direktors gebracht. Da musste ich dann meine Schultasche ausräumen. Darin war ein Bergsteigerbuch, das Neue Testament und das Kommunistische Manifest. Die sagten dann, das kennen wir schon, also alles schnell wieder einpacken."

Das gescheiterte Jugoslawien-Experiment

Und dann im Jahr 1980, im Alter von 20 Jahren, bahnte sich ein Umschwung in Maecks Leben an, der letztlich in einem "Sechser im Lotto mit Zusatzzahl", wie er selbst sagt,  mündete: in seiner Ausweisung in den Westen. Doch davor stand ein langer Leidensweg mit viel körperlicher Gewalt. Mit einem Freund machte sich Maeck eines Nachts auf die Reise nach Bulgarien, um von dort mit einem LKW nach Jugoslawien zu gelangen. Die Flucht scheiterte am Grenzübergang, das Versteck - eine Ritze zwischen den Tanks des LKW - flog auf.

Dem folgte das Übliche: Gerichtsverfahren wegen versuchter Republikflucht, 18 Monate Haft im Zuchthaus Cottbus. "Nach meinen Vernehmungen haben die sich gedacht, das ist ein hoffnungsloser Fall. Wenn wir den nicht rauslassen, ist er toxisch und steckt andere an." Letztlich wurde er "verbracht nach BRD", wie er sich lachend an die damalige Ausdrucksform erinnert. "Jetzt geht's zur Nazioma nach Bayern, wurde mir damals mit auf den Weg gegeben."