Der Soziologie-Professor Jürgen Schupp. (Bild. imago/Jürgen Heinrich)
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- Wie ticken die Deutschen?

Wie zufrieden sind die Deutschen und was halten wir von Klimaschutz und Digitalisierung? Diese Fragen beantwortet das SOEP - das sozio-ökonomische Panel. Seit 35 Jahren werden die Menschen in den gleichen 15.000 deutschen Haushalten befragt. Der Berliner Soziologe Jürgen Schupp ist Vizedirektor des SOEP - sein ganzes Berufsleben begleitet er diese große Längsschnittstudie. Warum Schupp Lindenstraßen-Fan ist und wie die perfekte Gesetzgebung funktionieren könnte, verrät der Soziologie-Professor im Gespräch mit Anke Burmeister.

Letztlich sei die Lindenstraße auch ein längsschnittliches Design gewesen, sagt Schupp. "Zwar nicht von Haushalten, sondern von Wohnungen, aber das fand ich von Anfang an faszinierend."

Seit 1984 beschäftigt sich Schupp mit uns Deutschen. Wie geht es uns seitdem? "Den Deutschen geht es kontinuierlich nicht mehr so gut wie im Ausgangsjahr 1984", meint Schupp. Das änderte sich in West-Deutschland erst im Zuge der Wiedervereinigung. Doch dann kam Hartz IV und die Zufriedenheit vieler Menschen ging stark zurück. Aktuell seien wir wieder im Ausgangsjahr angekommen, so Schupp.

Arbeitslosigkeit als soziales Stigma

Als die Mauer sich öffnete wurde sehr rasch versucht, die Studie auch in Ost-Deutschland zu erheben. Dort ist die Unzufriedenheit höher als im Westen: "Uns war klar, dass es nicht gelungen ist, industrielle Arbeitsplätzen in Ost-Deutschland anzusiedeln, so dass die Einbrüche abgefedert werden konnten", sagt Schupp. Es führte vor allem dazu, dass Menschen sich aus dem Osten auf den Weg in den Westen machten, um dort Arbeit zu finden, was problematische Umbrüche für manche Regionen bedeutete. Der Aufbau kam ins Stocken. Die Arbeitslosigkeit nahm zu.

Wer einmal arbeitslos ist oder war, dem bleibe diese Unzufriedenheit, dieses Trauma "wie eine Narbe" jahrelang erhalten, erklärt Schupp ein zentrales Ergebnis der Studie. "Das mag daran liegen, dass wir in Deutschland eine sehr erwerbszentrierte Gesellschaft sind, wo der Verlust der Arbeit ein soziales Stigma bedeuten kann und einen Rückzug."

Spannende Generationenvergleiche

Den Professor der Soziologie fasziniert das SOEP nach wie vor. Mit einem Team von 45 Mitarbeitern am Institut für Wirtschaftsforschung werden die Daten weltweit für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Mittlerweile könne man sogar Generationenvergleiche anstellen: "Da wird es wirklich spannend. Denn wir sehen auch mittlerweile die Veränderung, was die Digitalisierung mit Kindern alles macht."

Das Thema Klima poppte in der Studie erstmals im Zuge der Tschernobyl-Katastrophe 1986 auf. Das führte auch dazu, dass man den Fragenkatalog um Energie- und Umweltthemen erweiterte.

Demut für den großen Anspruch

Jürgen Schupp weiß, dass er sich nicht alle Entwicklungen in unserer Gesellschaft erklären kann: "Das wäre ja vermessen“, sagt er. Man müsse mit Demut agieren, denn der Anspruch als Forscher, etwas wirklich zu wissen, sei ein ganz großer.