Ko-Intendant und Leitender Dramaturg am Maxim-Gorki Theater Jens Hillje
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- Jens Hillje: "Theater ist eine vergängliche Kunst"

Beim Theaterfestival der diesjährigen Biennale in Venedig wird Jens Hillje Anfang August der Goldene Löwe für sein Lebenswerk als Dramaturg verliehen. Derzeit ist er Ko-Intendant am Berliner Maxim Gorki Theater. Über seine Arbeit als Strippenzieher politischen Gegenwartstheaters und die Neugründungen, an denen er beteiligt war, hat sich Ute Büsing aus unserer Kulturredaktion mit Jens Hillje unterhalten.

Den Goldenen Löwen sieht Hillje als Auszeichnung für das, was er die letzten 20 Jahre am Theater gemacht hat: von der Gründung der Baracke am Deutschen Theater über die Modernisierung der Schaubühne am Lehniner Platz, seine Arbeit am Ballhaus in der Naunynstraße bis zur Gründung des neuen Ensembles am Gorki Theater. Seine Rolle als Dramaturg sei die eines "Gatekeepers", der verantwortlich dafür ist, wem sich die Tür zum Theater öffnet, erklärt Hillje. Sein Anliegen war dabei immer, die Tür möglichst weit aufzumachen. Auch weil diese aus seiner Erfahrung heraus für viele jüngere Kollegen, Talente und neue Stimmen Ende der 1990er Jahre fest verschlossen gewesen sei.

"Theater immer wieder anders denken, um an den Zuschauern dran zu bleiben."

Jens Hillje machte es sich zur Aufgabe, immer wieder neue Talente und Stimmen ans Theater zu holen. Nur so könne das Publikum sehen, dass die uralte Kunstform Theater auch heute noch etwas Relevantes und Lebendiges habe. Als Ko-Intendant war er 2013 dabei, als sich das Maxim Gorki Theater selbst als "postmigrantisches Theater" neu bezeichnete.

Nach der Migrationsfrage und der Frage, wer als Letzter dazugekommen ist, geht es Hillje jetzt um die Berliner Stadtgesellschaft als Ganzes, um den Versuch allen, die als Bürgerinnen und Bürger für das Theater zahlen, auch eine Stimme und Repräsentation auf der Bühne zu geben - und das kritisch, lebendig und immer auch unterhaltsam. Bis 2021 gilt Hilljes Vertrag am Gorki Theater. Dann sei es Zeit weiter zu ziehen, um sich neu zu finden. Denn beim Theater gehe es immer darum, auf Zeit zusammen zu kommen, um danach wieder auseinanderzugehen, sagt der zukünftige Preisträger des Goldenen Löwen.

Die Sendung ist eine Wiederholung vom 16.5.2019