Korrespondentin Kate Connolly bei Anne Will im Studio (Bild: imago images / Jürgen Heinrich)
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- "Seit dem Brexit ist mein Heimweh weniger geworden"

"Geschockt" war die Deutschland-Korrespondentin des britischen Guardian, Kate Connolly, als im Juni 2016 die Mehrheit der Briten für den EU-Austritt stimmte. Inzwischen hat sie eigene Konsequenzen gezogen und besitzt neben der britischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Darüber und über ihre Perspektiven für ihre britische Heimat hat Kate Connolly mit Gerd Dehnel gesprochen.

Mit keinem guten Gefühl schaut Connolly auf jenen 23. Juni 2016 zurück, dem Tag, an dessen Folgen Großbritannien noch immer laboriert. "Das war ein Schock, eine Katastrophe, wie ein Schlag in den Bauch. Drei Jahre später sind wir in einer schweren Verfassungskrise", berichtet sie im Inforadio-Gespräch. "Es war ein heißer Tag, ich war am Strand mit meiner Familie. Die Deutschen waren damals trauriger als viele Briten, die sich über die Brexit-Entscheidung gefreut haben", erinnert sie sich.

"Grund für den Brexit ist eine Identitätskrise"

Dass sich die Briten für einen EU-Austritt entschieden haben, liegt für sie nicht an der Europäischen Union, vielmehr wittert sie die Wurzel dafür in einer hausgemachten "Identitätskrise": "Der Brexit hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Der Brexit ist eher ein Exit aus Großbritannien, ein Bruch, der vielleicht auf das Ende des Empires zurückgeht, auf Zeiten, in denen wir eine Großmacht waren. Die Sehnsucht nach dieser Zeit ist heute noch zu spüren."

"Gezwungen zu dieser Entscheidung"

Dass Connolly inzwischen auch Deutsche ist, beschreibt sie als "ursprünglich rein pragmatische Entscheidung, damit man in der EU bleiben kann, damit man diese Freizügigkeit weiter genießen kann. Aber nach einer Weile war das doch eine emotionale Entscheidung.  Ich wurde gezwungen zu dieser Entscheidung, die ich aber von ganzem Herzen vertrete", betont die Journalistin. Seit fünfzehn Jahren lebt sie in Berlin, und auch wenn sie den briitischen Humor durchaus vermisst, ist es ihr wichtig festzuhalten: "Seit dem Brexit ist mein Heimweh weniger geworden." 

Mit großer Sorge blickt Connolly auf die britische Zukunft, sobald der EU-Austritt absolviert wurde: "Ich sehe nicht, wie die Spaltung der Briten überwunden werden soll. Wir wissen immer noch nicht, was genau Brexit heißt. Ich denke, das wird uns jahrzehntelang verfolgen."

Wiederholung der Sendung vom 27. März 2019.