Profil von Christoph Stölzl (Bild: dpa)
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- Stölzl: Vermittler, Punchingball oder Gesprächstherapeut

Nach dem Rücktritt an der Spitze des Jüdischen Museums Berlin ist die Unruhe groß. Bis jemand Neues für den Direktorposten gefunden wird, ist der Historiker und CDU-Politiker Christoph Stölzl als Vertrauensperson für die interne und externe Kommunikation des Museums eingesetzt. Er selbst sieht seine Aufgabe darin, Frieden herzustellen, Ruhe zu gewinnen und zwischen den verschiedenen Personen zu vermittlen. Davon erzählt Stölzl Inforadio-Kulturreporterin Maria Osssowski.

Seine neue Aufgabe macht Christoph Stölzl vor allem aus Solidarität für Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Vorsitzende des Stiftungsrats habe viel für die Museen getan. Und wenn da eine Anfrage kommt, dann müsse man darüber nachdenken.  

Für Stölzl ist das Jüdische Museum in Berlin ein Ort der Erinnerung des deutschprachigen Judentums. Neben einer großartigen Kultur werden dort auch Themen wie Migration, das Miteinander der Kulturen oder das Verhältnis von Minderheiten und Mehrheiten angesprochen. Zusätzlich gibt es eine Akademie. "Das alles ist viel. Es wäre ein Wunder, wenn es da nicht manchmal krachen würde", sagt der Historiker.

Goldene Regel: Aufklärung und Verständigung

Als Gründer des Deutschen Historischen Museums hatte Stölzl eine goldene Regel aufgestellt: Aufklärung und Verständigung über die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Europäern. Für ihn dabei wichtig: der Diskurs. Im Jüdischen Museum hat er selbst nicht die Rolle, etwas zu entscheiden. Er sieht sich als Vermittler mit weißer Fahne, ein Punchingball oder ein Gesprächstherapeut.

Alle Geschichtsmuseen sind für den Historiker zwingend politisch. Allerdings dürfen sie nicht etwa der verlängerte Arm des Bundestags sein, sagt er. So müsse ein autonomes Kulturinstitut für sich sprechen, aber auch Kritik aushalten. Den Nahostkonflikt könne man im Jüdischen Museum nicht wegdenken, dieser könne aber nicht die Hauptsache sein.

Hauptaufabe: Vielfältigkeit des Judenstum abbilden

In der sensiblen Gemengelage der jüdischen Geschichte in Deutschland sei es nicht verwunderlich, dass jüdische Gemeinden bei der Arbeit des Museum genau hinschauen, so Stölzl. Die Hauptaufage bestehe darin, die Vielfältigkeit des Judentums abzubilden und viele auch unbekannte Dinge aus der Geschichte zu erzählen. Gegenwartsfragen sollten mit Feingefühl und Wissenschaftlichkeit angegangen werden.

Die Frage, ob die neue Spitze des Museums jüdischern Glaubens sein müsse, würde sich von alleine lösen, sagt der Historiker. Wichtig sei, dass die Person aufs Innigste vertraut sei mit der jüdischen Geschichte und Kultur.