Detlef Pawollek, Leiter der Röntgen-Schule in Berlin-Neukölln (Bild: rbb/Gabriele Heuser)
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- Detlef Pawollek feiert das Abitur seiner Schüler

Das Schuljahr ist in Berlin und Brandenburg diese Woche zu Ende gegangen. Für die Röntgen-Schule in Neukölln war es ein ganz besonderes Jahr: Denn die ersten Schulabgänger der Integrierten Sekundarschule haben nun ein Abiturzeugnis in der Tasche. Welche Hürden dabei zu überwinden waren, darüber hat Inforadio-Redakteurin Gabriele Heuser mit Schulleiter Detlef Pawollek gesprochen.  

Inforadio hat Pawollek schon seit Jahren immer wieder gefragt haben, wie es in seiner Schule läuft: Er ist der ehemalige Leiter der Kurt-Löwenstein-Hauptschule in Neukölln. Bei der Schulreform 2010 fusionierte die Schule unter seiner Leitung mit der Röntgen-Realschule zur Integrierten Sekundarschule. Einen neuen Standort gab es auch - in der Wildenbruchstraße.

Vier Jahre lang hat Inforadio damals eine der Klassen eng durch diese Schulreform begleitet bis zum Mittleren Schulabschluss. Inzwischen haben nun also die ersten neun Schüler das Abitur an der Röntgen-Schule geschafft, vier erlangten die Fachhochschulreife. "Das ist ein wunderbares, ein schönes Gefühl", sagt Pawollek. "Ich freue mich ganz besonders für das Kollegium und für unsere Schüler - und für die Schule insgesamt, weil das natürlich auch zum Ansehen der Schule beiträgt."

Die meisten Schüler wollen aufs Gymnasium

"Wir sind eine Schule, die 100 Prozent Migranten hat", erklärt der Schulleiter. "Demzufolge lag auch der Migrationsanteil bei unseren Abiturienten bei 100 Prozent. Aber das ist für uns ja vollkommen normal." Als er 2016 eine Oberstufe an der Röntgen-Schule einrichtete, ging es ihm darum, das Niveau der ganzen Schule zu heben, so Pawollek.

"So weit sind wir noch nicht, auch nicht nach drei Jahren", gibt er zu. "Wir haben im Anmeldeverhalten feststellen können, dass für die kommenden sieben Klassen bei 75 Schülern gerade sieben Schüler dabei sind, die eine Gymnasialempfehlung haben." Die meisten Eltern und Schüler würden eben doch lieber ein Gymnasium wählen als eine Integierte Sekundarschule, sagt Pawollek. "Es wird noch ein ganz schönes Stück Arbeit bedürfen, bevor wir dann eben auch mehr Schüler mit Gymnasialempfehlung bei uns im Hause begrüßen können."  

"Die Konkurrenz unter den Schulen ist groß"

Zwar könne es für eine Sekundarschule ein Vorteil sein, dass man dort das Abi immer noch in 13 statt in zwölf Jahren machen könne, so Pawollek, doch die Konkurrenz sei groß. "Wir haben im Bezirk Neukölln mehrere Sekundarschulen, die auch eine Oberstufe haben. Und die Zahl der Schüler, die ein Abitur machen können und wollen, ist nicht unermesslich."

Insgesamt stecken Schulen oft in einem Dilemma, wenn sie jeden Schüler bestmöglich fördern wollen, erklärt der Schulleiter: "Es ist ist schwierig und bisweilen unmöglich. Orientieren Sie sich bei den verbleibenden Schülern nach oben, dann fallen diejenigen, die weiter unten stehen, restlos aus dem Radar. Und macht man es umgekehrt, dann verliert man natürlich die wenigen, die leistungsstark sind." Dafür habe er im Moment selbst keine Lösung.

Über den Lehrermangel, die Gehaltszulage für Lehrer in sozialen Brennpunkten und Inklusion spricht Gabriele Heuser mit Schulleiter Detlef Pawollek.