Autorin Livia Klingl
Manfred Weis
Bild: Manfred Weis

- Livia Klingl: Über Österreichs Krise

Mit kleinen Geschichten auf Facebook begleitet Publizistin Livia Klingl das Geschehen in ihrem Heimatland Österreich - mit Anmerkungen zur Politik oder alltäglichen Begebenheiten in ihrer Nachbarschaft. "Biedermeiern" lautet ihre Überschrift dafür, gleichzeitig Titel eines Buches. Einen Rückzug aus dem Politischen bedeutet dieser aber nicht. Livia Klingl arbeitet sich im Gegenteil kräftig am politischen Betrieb ab. Gerd Dehnel hat mit ihr gesprochen.

Der Vizekanzler Österreichs ist über ein Video gestürzt, in dem er einer vermeintlichen Unternehmerin gute Geschäfte anbot, im Gegenzug für politische Unterstützung. Die Koalition ist zerbrochen, Österreich muss neu wählen. Die Anhänger des Gestürzten empören sich allerdings nicht über dessen Verhalten, sondern fühlen sich als Opfer einer Intrige. "Kein Wunder", sagt Publizistin Livia Klingl, "wir Österreicher haben viel Übung, uns als Opfer zu fühlen".

Wenn Klingl nicht - wie noch kürzlich - bei Facebook gesperrt ist, geht sie - auch nach der Veröffentlichung ihres gleichnamigen Buches - weiter ihrem täglichen "Biedermeiern" nach. Dabei dreht sie alles, was ihr missfällt, in eine Richtung, über die man auch lachen kann - mal mit Augenzwinkern, mal mit Zynismus, manchmal auch mit Wut. Überwiegend widmet sich Klingl dabei dem politischen Geschehen in Österreich. Sie selbst bezeichnet dieses Schreiben als eine "anders aufgearbeitete Zeitgeschichte".

Eine von Klingls Beobachtungen ist der politische "Pendelschlag nach rechts", der für sie mit der Globalisierung und der Europaisierung einhergehe. Sie verstehe die Menschen, die unglücklich, unzufrieden und ängstlich sind, ein bisschen - das Problem sei aber, dass diese Menschen am Ende nicht die Parteien wählen würden, die eine Lösung bieten könnten.

DAS BUCH

Biedermeiern: Politisch unkorrekte Beobachtungen
von Livia Klingl

128 Seiten, Kremayr & Scheriau