Hans-Christian Ströbele (Bild: imago images/ epd/ Rolf Zoellner)
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- Hans-Christian Ströbele: Der 80-jährige Unruhestifter

Ein Leben ohne Politik hält er weder für denkbar, noch für sinnvoll: Hans-Christian Ströbele. Der frühere Grüne Bundestagsabgeordnete ist zwar seit knapp zwei Jahren nicht mehr im Parlament, mischt trotzdem politisch weiter mit. Am Freitag wird er 80 Jahre alt. Wie an allen runden Geburtstage lädt er seine Freunde deshalb auf eine Solarboottour ein, hat er Ute Schuhmacher erzählt. Die hat Hans-Christian Ströbele in seinem Anwaltszimmer im Tiergarten interviewt.

Sein Fahrrad setze schon Spinnweben an, witzelt Ströbele. Doch der nun 80-Jährige kann sich seit einiger Zeit nicht mehr so bewegen, wie er will. Auch auf Demos sei er nicht mehr präsent - sein letzter Demobesuch war "Fridays for Futrue", deren Aktionen er "voll und ganz" teile. In den 60er Jahren seien Umweltaktivistinnen und -aktivisten noch nicht so gefeiert worden, wie die Fridays-Jugendlichen, so Ströbele. Da wurde man noch beschimpft und in ruppigem Ton geraten, man möge doch auf die andere Seite der Mauer in die DDR wechseln. Der Konsens und die Zustimmung seien heute viel breiter, die Akzeptanz größer.

Ein Leben ohne Politik? Undenkbar
Neben seinem Fahrrad und den Demos vermisse er auch den Betrieb im Bundestag, besonders die Auseinandersetzung mit der AfD würde ihn reizen. Er ärgere sich aber auch - über die Wohnungspolitik in Berlin, bei der Unternehmen sogar noch stolz seien auf ihre Gewinne, die sie aus dem Markt zögen. Ströbele sieht Potential im Volksbegehren zur Enteignung des Konzerns Deutsche Wohnen. Man solle jene "enteignen, die ganz offensichtlich ihr Eigentumsrecht missbraucht haben." Der einstige Grünenpolitiker sieht das Volksbegehren aber auf dem Boden des Grundgesetzes.

Grüne seien bisweilen zu angepasst
An den Erfolg, den die Grünen bei der letzten Europawahl hatten, habe weder er noch ein anderer Politkollege geglaubt, erzählt Ströbele. Grundsätzlich sei er zufrieden mit der Partei und ihrem Programm, aber - wo bleibe dieses in einer Koalition? Aus seiner Sicht sind die Grünen bisweilen zu angepasst und er vermisst zentrale Themen wie Friedenspolitik. Ämter als Gesundheits- oder Innenminister habe er während seiner aktiven Politlaufbahn ausgeschlagen, er wollte diese grundlegend anders gestalten. Politik könne er aber nicht aus seinem Leben wegdenken: "Wissen Sie, ich will heute noch die Welt verändern. Ich glaube, dass die ganz ganz großen Probleme vor uns liegen." Dies seien nicht nur Klima und Umwelt, sondern auch, wie man Handelsbeziehungen so gestalte, dass Menschen im globalen Süden genug Lebensmittel haben und nicht die Flucht nach Europa antreten müssten. Es brauche eine andere Weltwirtschaftsordnung, sagte Ströbele - dafür würde er sich in Begleitung auch auf seine Krücke schwingen und "überall hingehen, wenn ich was bewegen kann."