Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank
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- Carsten Brzeski und der Herdentrieb der Ökonomen

Die Wirtschaftsprognosen sagen für dieses Jahr eine Abschwächung voraus - Zollstreitigkeiten, politische Spannungen und Kriegsgefahren lassen die Erwartungen stark schwanken. Solche Risiken wirken in Deutschland vor allem auf den Export - oder übertreiben die Ökonomen dessen Gewicht? Der Chefvolkswirt der ING-Bank Carsten Brzeski hält das für durchaus möglich, sagt er im Gespräch mit Inforadio-Wirtschaftsredakteur Eric Graydon.

Warum ist es um die Wirtschaft in Deutschland jetzt schlechter bestellt als gedacht? "Keiner kann sich das so richtig erklären", sagt Brzeski. "Die Faktoren hören sich an wie die von einer Bananenrepublik: Das Wasser im Rhein war zu niedrig, wir haben Probleme in der Autoindustrie, aber keine richtigen, die sollten auch jeden Moment wieder verschwinden. […] Ganz ehrlich gesagt: Wir stochern alle rum wie im Nebel." Niemand traue sich zu sagen, dass die deutsche Industrie am Abgrund ist - und gleichzeitig wage niemand die Aussage, dass alles gar nicht so schlimm ist.

"Persönlich gehöre ich eher doch noch zu der aussterbenden Rasse der Optimisten", so der Ökonom. "Ich habe in Deutschland aktuell eine Situation, in der die inländische Nachfrage, der Konsum, stark ist. Der Staat gibt mehr Geld aus, ich habe niedrige Zinsen, ich habe eine niedrige Inflation und leicht höhere Löhne." Das spreche alles weiterhin für ein starkes Wachstum.

Über die Rolle von Industrieexporten und Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft, über  die verschiedenen Wirtschaftsprognosen von öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen sowie über Unsicherheit und die Psychologie der Wirtschaft spricht Eric Graydon mit Carsten Brzeski.