Yehuda Bauer (Quelle: imago/Xinhua Yin Dongxun)
imago/Xinhua Yin Dongxun
Bild: imago/Xinhua Yin Dongxun

- Yehuda Bauer: Warum Antisemitismus eine Gefahr bleibt

"Antisemitismus ist zerstörerisch für die Gesellschaft", sagt Yehuda Bauer. Der Historiker und Holocaustforscher hat in Jerusalem gelehrt, gearbeitet und war lange wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Yad Vachem. Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat ihn getroffen, um mehr über alten und neuen Antisemitismus zu erfahren. Und er hat ihn gefragt, ob er deutschen Juden raten würde, die Kippa nicht mehr überall zu tragen.

Der israelische Historiker Jehuda Bauer gilt als einer der renomiertesten Holocaust-Forscher und hat sich lange mit dem Thema Antisemitismus befasst. Letzteren sieht Bauer als kulturelle Tatsache, die seit vielen Jahrhunderten tief in der Kultur eingebaut sei. Moderner Antisemitismus sei vor allem theologischen Ursprungs, zu dem sich demnach wirtschaftliche und soziale Gründe gesellen. Antisemitismus ist laut Jehude Bauer ein "Krebs, der an der Gesellschaft nagt und eine Gefahr für die Gesellschaft ist" - und für Bauer zudem Auslöser des Zweiten Weltkriegs.

Von den Ergebnissen der Europawahl, bei der rechtsgerichtete, nationalistische, populistische Bewegungen große Erfolge feiern konnten, zeigt er sich im Inforadio-Gespräch nicht enttäuscht. Die Ergebnisse seien vielmehr bereits zu erwarten gewesen, da weltweit ein nationalistischer Trend vorherrsche. Durch die Erfolge der Grünen sieht Bauer allerdings auch eine Gegenbewegung - das Ergebnis sei letztlich ein "Unentschieden."